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Düppenweiler

Nun lasst uns doch in Gottes Namen
Zur Schicht ins Bergwerk fahren.

Die Mettenschicht am Kupferbergwerk in Düppenweiler
Von Armin Schmitt, Dezember 2008


 Ban_Mettenschicht

 

Aufgang_KapelleDas Gelände des 1916 stillgelegten und lange Zeit vergessenen Kupferbergwerkes liegt außerhalb des Ortes an der Straße zwischen Düppenweiler und Piesbach. Wie jedes Jahr am 3. Samstag im Advent wird hier die Mettenschicht gefeiert, mit der die Düppenweiler an die letzte Schicht des Jahres erinnern.

  Als wir ankamen, begann es schon zu dämmern. Die Kälte kroch an uns hoch. Geschäftig ging es im Huthaus zu, dem Bergwerks-Museum, dem Gast- und Vereinshaus. Nach der Schicht sollten hier die Gäste sich stärken und wärmen. Blechbläser in Uniform und graubärtige  Männer in schmucken Bergwerkuniformen, gerade eben einem bergmännischen Historienbuch entsprungen, und die Mitglieder der Bergknappschaft in historischem Habit warteten vor dem Huthaus auf ihren Einsatz. Ein sanfter Duft aus Glühwein und Schnaps – gut gegen die Kälte - hing in der Luft. Eine dünne Schneeschicht bedeckte den Fußweg, der an der  Südseite des Weltersberges, vorbei an Stolleneingängen und den freigelegten Ruinen der alten Tagesanlagen zur neu errichteten Barbarakapelle führt. Aus dem Wald stieg Rauch auf, als hätten die Köhler Hochkonjunktur. Schwedenfeuer wiesen den Weg zur Kapelle, spendeten Wärme und verzauberten die kahlen Winterbäume. Oben an der neu errichteten Bergwerkskapelle, nahe dem Platz, auf dem zweihundertvierundachtzig Jahre vorher der erste Betreiber, ein gewisser de Hauzeur aus dem belgischen Wallonien, wo sich die Industrialisierung schon früher durchgesetzt hatte, eine erste Bergwerkskapelle gestiftet hatte, wollten wir den feierliche Prozession erwarten.
 
Zu den Klängen der Jagdhornbläser bewegte sich der eindrucksvolle Zug Richtung Kapelle, darunter v_d_Kapelledie Vertreter verschiedener Bergwerksvereine, Gäste aus dem Erzgebirge, die dem Ort eng verbunden sind, weil die ersten Bergleute im Jahre 1724 aus dem Erzgebirge kamen,  Düppenweiler Bürger und Gäste aus der Region, Neugierige, Ehrengäste. Nur noch die Schwedenfeuer erhellten den Wald, die Bäume warfen lange Schatten.  Schemenhaft erkennbar war, dass der Zug von vier Männern in Bergmannstracht angeführt wurde,  die eine Barbaraskulptur trugen. Die Heilige Barbara spielte als Schutzheilige im Arbeitsalltag des Bergmanns eine wichtige Rolle. Unter ihre Obhut  stellte er sich vor der Einfahrt in den Berg und betete für eine gesunde Rückkehr, als Amulett oder kleine Skulptur sollte sie Gefahren unter Tage abhalten.

 

W_Vor der Kapelle wurden Reden gehalten, eine Kopie des berühmten Annaberger Triptychons wurde enthüllt, der Priester sprach das „Gebet der Bergleute“, Lieder wurden gesunden, darunter auch das Steigerlied. Am eindruckvollsten aber der Moment, als der 86jährige Alfred Müllenbach, der sich wie viele andere Düppenweiler Bürger ehrenamtlich für die Schaffung eines Besucherbergwerkes eingesetzt hatte, vor die Tür der Kapelle trat. Als er das alte Bergmannslied von des „Bergmanns Anfahrt“ anstimmte, wurde es totenstill. Wir hatten ihn schon auf dem Weg zur Kapelle getroffen. Während des kurzen Gespräches hatte er mir den Text auf einer klein gefalteten Kopie, die er im Geldbeutel stecken hatte, in die Hand gedrückt:
 
Schon wieder tönt vom Schachte her des Glöckleins leises Schaffen.
Lasst eilen uns, nicht säumen mehr, zum Schachte lasst uns wallen.
Dem Liebchen gib den Abschiedskuss, lasst scheiden uns vom Hochgenuss.
Das ist des Schicksals lauf, Glück auf, Glück auf!
 
Leicht eilen wir mit heiter’m Sinn die steilen Fahrten nieder.
Ein jeder eilt zur Arbeit hin, und alles regt sich wieder.
Man hört des Pulvers Donnerhall, des Schlägels und des Fäustels Schall,
der Wagen Räderlauf, Glück auf. Glück auf!
 
Und sollte eins im finster’n Schacht mein letztes Stündlein schlagen,
wir alle stehn in Gottes Macht, er hilft und alles tragen.
D’rum holdes Liebchen weine nicht, den Tod nicht scheu’n ist Bergmanns Pflicht.
Wir fahren zum Himmel auf, Glück auf, Glück auf!
 
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Das Besucherbergwerk

SchwedenfeuerDie alljährliche Mettenschicht Mitte Dezember, zeitnah also noch am Barbaratag, ist einer der Höhepunkte in der Wiederentdeckung der bergmännischen Vergangenheit in Düppenweiler, wo seit über 280 Jahren kupferhaltiges Gestein gefördert wurde. Erster Betreiber des Bergwerkes war der Wallone Remacle Renard Joseph des Hauzeur, der erfahrene Bergleute aus dem Erzgebirge nach Düppenweiler anwarb. Nach unterschiedlichen Betreibern, zuletzt die Dillinger Hütte (1915-1916), wurde das Bergewerk stillgelegt, weil es nicht mehr rentabel war.  

 „Wiederentdeckt“ wurde es im Zuge der Auseinandersetzung mit dem industriekulturellen Erbe in der Saarregion seit 1986. Anfang der 90er Jahren wurde der Förderverein Historisches Bergwerk Düppenweiler e.V. gegründet, der inzwischen mit dem Kultur und Heimatverein zum Historischen Kuperbergwerk Düppenweiler – Verein für Geschichte und Kultur e.V. fusionierte. Der Verein kann  in den letzten Jahren auf eine Erfolgsgeschiche zurückblicken und beweist, was Bürgersinn bewirken kann: 600 Meter des umfangreichen Stollensystems wurden freigelegt und zugänglich gemacht, vier Schächte mit einer Teufe von 10-18 Metern wurde erschlossen und mit Schachtaufbauten versehen. Neben der Barbarakappelle wurde 2004 das Huthaus errichtet, das museal und gastronomisch genutzt wird und in dem wir uns nach der Mettenschicht bei bester Unterhaltung trefflich stärken konnten.

Die Besucher, die das Besucherbergwerk besichtigen wollen, erwarten die Licht und Toninstallation „Mystallica“ zur Geschichte des Bergbaus in Düppenweiler, unter Tage – im sog. Dom – die anschauliche Erläuterung bergmännischer Abbaumethoden, im Maschinenschacht Informationen zur Wasserhaltung, schließlich eine Zeitreise in die Erdgeschichte und die Entstehung der Erze.

Der Verein bietet regelmäßige Führungen an. Auch Spezialführungen in normalerweise nicht zugängliche Bereiche sind möglich. Die weitläufigen Übertageeinrichtungen sind natürlich jederzeit zugänglich.


Öffnungszeiten des Besucherbergwerkes
Von Anfang April bis Ende Januar jeden Freitag, Samstag und Sonntag im Monat sowie an allen Feiertagen außer Weihnachten und Silvester von 14.00-18.00 Uhr mit festen Führungen. Ansonsten nur nach Vereinbarung: 06832/800011 oder 06835/55-105.
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Fotografien incl. Galerie-Modul, Titelgrafik und Elektronische Bildbearbeitung Christoph M Frisch © 2010

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