III. Der Erzgräber Weg

Wanderer_auf_dem_Erzweg


Mittlerweile erinnert man sich auch in Schmelz der industriellen Vergangenheit, auch wenn die Überbleibsel bescheiden sind. Darin liegt aber auch der besondere Reiz. Man muss sich auf die Suche machen. Spurensuche. Man ist stolz auf die Vergangenheit. Man erzählt von einer Kupferloch, das wieder zugänglich ist. An der Straße steht ein Schild mit der Aufschrift „Erzweg“. Schnell stellt sich aber heraus, dass es nur die Bezeichnung für ein Gewerbegebiet an der Straße nach Lebach ist. Aber immerhin. Man beginnt sich zu erinnern. Dann erfahre ich, dass es einen „Erzgräber Weg“ gäbe, einen Wanderweg, der zu interessanten Orten der industriellen Vergangenheit führe. Ich beschließe, mich im Herbst auf den Weg zu machen, zusammen mit Maria, meiner Schwester, und meinem Freund Christoph, der die Bilder macht.

Den Herbst muss man lieben, schon allein wegen seiner Farben. Er umfängt uns auch jetzt mit dem Geruch der feuchten Blätter auf der Erde, dem Farbenspiel in den Bäumen, den Sonnenflecken, die das klare Herbstlicht vor uns auf dem Waldweg ausstreut. Wir haben die letzten Häuser des Ortes schnell hinter uns gelassen und sind nun gespannt auf die Spuren, die wir zu finden hoffen. Wir folgen dem „Erzgräber Weg“ mit seiner Markierung aus Pickel und Schaufel auf weißem Grund. Spektakuläres erwarten wir nicht. Aber dennoch: das Herz schlägt etwas schneller vor Aufregung, als wir uns auf den Weg machen.
 

Spuren von Erzgruben

Erzweg_Herbstwald


Nach einem leichten Anstieg entlang des Solbaches stoßen wir schließlich auf ein erstes Grabungsfeld. Auch dem Laien im Lesen vorindustrieller Spuren fällt auf, dass die Erde hier in großem Maßstab durchwühlt wurde und aufgeworfene Erdmassen zurückblieben. Es sind Reste einer etwas wilden Erzgräberei. Einige Schritte weiter und wir stehen vor einer aufgelassenen Erzkaule, etwa vierzig Meter im Durchmesser. Hier mitten im Wald, an der Südostseite des Großen Horstes, hatte man erzhaltiges Gestein entdeckt, das im Tagebau abzubauen sich lohnte.
 
Die "Dicke Eiche" - auch ein Industriedenkmal
 
Die dicke Eiche ist nicht nur ein Naturdenkmal, sondern auch ein Denkmal der Arbeit. Uns erinnert sie an die Köhler. Sie betrieben hier ihre Köhlermeiler, um die Holzkohle herzustellen, die bis zur Verwendung von Koks für die Erzverhüttung notwendig war. Und sie lebten hier in einfachen Hütten, ohne Wasser, ohne Strom, in sehr bescheidenen Verhältnissen. Nicht weit von der Dicken Eiche entfernt vermittelt die Rekonstruktion eines Kohlemeilers einen Eindruck von der Produktion von Holzkohle, die wegen ihres hohen Brennwertes erforderlich war. Später wurde Holzkohle von Koks abgelöst.

Die dicke Eiche ist ein Zeugnis intensiver Waldnutzung. Gepflanzt wurde sie um 1650. Sie ist ein Relikt Erzweg_Eiche_mit_Laubder sog. Mittelwaldwirtschaft, die in der Gegend bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts vorherrschend war. Unter dem Schutzschirm hochgewachsener alter Eichen und Buchen wurden in einem Rhythmus von 15-20 Jahren jüngere Bäume gefällt. Die größeren Exemplare schützten als „Überstände“ die jungen Bäume vor Wind, Wetter und Sonne. Noch heute breitet die knorrige alte Eiche ihre schöne Blätterkrone über junges Gehölz. Manchmal ist Dickleibigkeit von Vorteil. Überlebt hat die dicke Eiche nur, weil sie irgendwann so dick war, dass sie nicht mehr mit den damaligen Werkzeugen gefällt wer-den konnte. Unbeabsichtigt haben sich die Köhler so ein schönes Denkmal gesetzt. Weitere Spuren fanden wir nicht. Es fehlt uns geologische Kompetenz. Keiner von und ist steinkundig. Deutet die rötliche Färbung des Gesteins wirklich auf Eisenspuren? Klar ist nur: Wir durchwandern geologisch interessantes Terrain. Hier rumorte einst die Erde. Das Gebiet ist vulkanischen Ursprungs.

Der Weg führt im großen Bogen um den Großen Horst. Manchmal öffnet sich der Wald und ermöglicht wunderschöne Ausblicke auf die Gegend um Limbach. Schließlich führt er an der Limbacher „Birg“ vorbei, einer keltischen Wehranlage aus vorrömischer Zeit, die bis in die fränkisch-karolingische Zeit hinein den Menschen als Schutz diente, als Schutz vor Römern, Germanen, Franken und Hunnen oder wer sonst noch alles durch die Gegend streifte. Uns diente die Wehranlage als willkommene Raststätte, bevor wir uns über den großen Horst und den Renges auf den Heimweg machten. (nächste Seite)

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