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Das Gaswerk in Augsburg-Oberhausen
Ein Stimmungsbild
von Stefan Schön, März 2010

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Ein ehemaliger Ingenieur führte uns sehr fachkundig – durch das ganze Terrain. Das dauerte inklusive des großen Gasometers am Schluß, in dem mit 92 m ein längeres Fouceausches Pendel als im Deutschen Museum in München hängt, 2 ½ Stunden.

Von Halle zu Halle vergrößerte sich mein Staunen. Ich war baff. Daß eine derart großartige Industriekultur-Anlage in Augsburg existiert, war mir bis dahin nur vom Hörensagen bekannt, ich hatte bisher nur hin und wieder den riesigen Gasometer ( über 90 Meter hoch ) am Ende der Stadt wahrgenommen.

Die Geschichte der industriellen Gasproduktion in Augsburg beginnt schon im 19.Jahrhundert: damals im Wesentlichen nur um die Gaslaternen der Innenstadt zu versorgen ( - in der Innenstadt Augsburg ist ein großes, weit verzweigtes Netz, von klassischen Straßenlaternen, das noch heute mit dem Gas der Stadtwerke Augsburg betrieben wird ). Später kamen dann alle die anderen Segnungen des moderner werdenden Alltags wie zum Beispiel Herd- und Ofenheizung dazu. Im Lauf der Jahrzehnte wechselten die Standorte des Gaswerks in der Stadt.

Im-GasometerDas damals Neue Gaswerk in Oberhausen ging am 31.12. 1915 nach relativ kurzer Bauzeit in Betrieb. Und arbeitete bis 31.3.2001. Entsprechend der Entstehungszeit sind die architektonischen Formgebungen. Sie gehen bis zu einer Jugendstil-ähnlichen Grandezza. Gebaut wurden riesige Kohlensilos, Flammrohrkessel, Kohlereinigungs- und Waschanlagen, die dazugehörigen Bandförderanlagen, Werkgleisanlagen, Kokslagerplätze, der kleine und der große Scheibengasbehälter, die Sulfatanlage, der Hochdruckverdichter, der Ersatz-Verfahrensluft-Verdichter für die Spaltanlagen, eine Mischanlage für die Unterfeuerung der Öfen mit Erdgas-Luft, eine Teerkondensatscheideanlage, die Klärgas-Entschwefelungsanlage und vieles mehr.

HalleUnd das alles nicht etwa im Freien – nein alle Technika waren in riesigen Hallen bez. Gebäuden untergebracht. Es gibt davon so gut wie nichts mehr. Nur in ein, zwei Hallen haben wir noch Maschinen gesehen, z.B. in der Verdichterhalle. Sonst sind alle anderen Räume leer. Wir – und hier äußert sich ein ehemaliger Mitarbeiter des Festivals SCHICHTWECHSEL auf der alten Völklinger Hütte – wären damals froh gewesen, wenn wir diese Anzahl an verschieden großen Raumkapazitäten zur Verfügung gehabt hätten. Und wenn ich Raumkapazität sage: mehrere Hallen hatten ein Vielfaches der für uns seinerzeit zur Verfügung stehenden Freifläche in der Gasgebläse-Halle der Völklinger Hütte.                                        

Das Gaswerk im Stadtteil Oberhausen produzierte kurz nach Eröffnung vorerst 50.000 m³ TurbinenhalleSteinkohlegas und 12.500 m³ Wassergas, obwohl es für 200.000 m³ Steinkohlegas und 25.000 m³ Wassergas ausgelegt war. Nach dem verheerenden Bombardement Augsburgs vom 26.Februar 1944 war das Gaswerk zwar nicht getroffen, aber weite Teilstrecken des in die Stadt laufenden Gasrohrnetzes waren zerstört. Nach deren Wiederherstellung wurden am 27.9. 1950 erstmals die Gasabgabe überschritten:100.000 m³/Tag. Es erfolgte im gleichen Jahr die Umstellung des Werksnetzes von 220V auf 380 V. Am 13.12. 1968 stieg die Stadtgasabgabe erstmals über 300.000 Bm³/Tag.

Noch eine kleine Anekdote vom sparsamen Schwaben: Als Ende 1944 ein erheblicher Mangel an Kohle herrschte, was den Betrieb sehr erschwerte, behalf man sich folgendermaßen: man hat einfach eine Aktienverbrennung durchgeführt: mehrere Stunden brannten 15 Tonnen Aktien in den Öfen des Gaswerks. Wert: 8 Milliarden Reichsmark. Die Augsburger hatten daraufhin für 2 Tage Gas - Gas aus Aktienpapieren! Das wäre doch ein Beitrag in der gegenwärtigen Finanzkrise.

 

Gaswerk

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TurmInformationen:
Weitere technische Details lassen sich sehr gut im Internetauftritt des Gaswerks Oberhausen ablesen: http://www.gaswerk-augsburg.de/geschichte.htm








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