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Die "Umgedrehte Kommode" in Bremenvon Christoph M Frisch, Mai 2010
Es mag dem über Jahrhunderte gewachsenen Selbstverständnis des Bremer Bürgertums geschuldet sein, dass die festungsähnliche Ansicht des Wasserturms im Volksmund keine bildhafte Begrifflichkeit fand. Stattdessen schuf man eine Analogie im heimischen, im privaten und fasste diese in einem dort überall im Haushalt zu findenden Mobiliar – der Kommode. Vielleicht verdanken wir den Begriff von der "Umgedrehten Kommode" aber auch einem Fotografen, der sich mit seiner Balgenkamera an dem Gebäude versuchte und dem die Technik unter seinem schwarzen Tuch dieses auf den Kopf gestellte Bild aufdrängte. Wer weiß. Das wird so genau wohl nicht mehr zu klären sein.-
Die "Umgedrehte Kommode“ wurde in den Jahren 1871 – 1873 nach den Plänen der Architekten Johann-Georg Poppe erbaut. Infolge der durch die Industrialisierung stark angewachsenen Bevölkerung benötigte die Stadt ein effizientes Wasserversorgungssystem. Frühere Lösungen - das erste Schöpfrad versorgte schon im Jahr 1394 zweihundert Häuser im Stadtgebiet mit Wasser aus der Weser - waren nicht mehr effektiv. Der hygienische Standard, der nun Sandfilteranlagen vorsah, konnte mit dem Konzept, das der mit den Planungen betrauten Georg Poppe erstellte, erheblich verbessert werden. Mit Inbetriebnahme der Anlage vernetzte man zunächst 2.000 Haushalte. 1883 waren dann immerhin schon die Hälfte aller Häuser an das Wasserversorgungssystem angeschlossen. Es dauerte aber noch einmal 15 Jahre bis 1908 alle Bewohner der Stadt von dem Wassersystem profitieren konnten. Vorbild für den historisierenden Bau ist der Hochmeisterpalast der Ordensburg Marienburg in Ostpreußen. Im Turm selbst waren zwei stählerne Tanks (23 x 13 x 3,5 m.) eingebaut, die zusammen weit über zwei Millionen Liter Wasser aufnehmen konnten. Ein auf Dampfmaschinen gründendes System pumpte das gereinigte Weserwasser in die oberen Hälfte des Gebäudes, wo sich die Tanks befanden. Zwei der Türme dienten dabei als Schornsteine, ein weiterer barg das Rohrsystem, der vierte wurde als Aufgang benötigt.
Die Ecktürme des Wasserturmes waren ursprünglich wesentlich höher. Wegen Baufälligkeit wurden sie schon vor Jahren verkürzt. Das Wasserwerk wurde 1983 geschlossen. In den Folgejahren dienten die Tanks der Wasserversorgung einer bekannten Bremer Brauerei. Diese entnahm ihr Wasser jedoch nicht mehr der Weser, sondern bekam es, wie heute alle Haushalte in Bremen, aus dem Fernleitungsnetz der Hartzwasserwerke. 2008 hat man die Anlage aufgegeben. Das restliche Wasser wurde in das Wassernetz der Stadt abgelassen, nachdem man zuvor zur Erinnerung noch einhundert Flaschen mit Wasser gefüllt und folgender Inschrift beschriftet hat: „Wasser aus dem altehrwürdigen Wasserturm - Auf dem Werder“. Ein neues Leben steht dem eindrucksvollen Gebäude am Ufer der Weser vielleicht jetzt als Kulturort bevor. Im Frühjahr 2011 nutzt die Bremer Shakespeare Company das Gebäude erstmals für eine Inszenierung ihres Stückes „Shakespeares Pleasure Island“.
Bilder aus dem Inneren des alten Wasserwerkes liegen uns leider nicht vor. Wir freuen uns jedoch über Zusendungen von Bilddateien, die wir dann hier veröffentlichen werden. Nutzen Sie dafür bitte die Kontaktseite dieser Website. _______________________________________________________________________________________ Copyright aller Bilder dieses Artikels Christoph M Frisch © 2011 |





