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Friedrichshafen, Zeppelinmuseum Drucken E-Mail

Von den Luftschiffen:
Im Zeppelin Museum Friedrichshafen
 
von Armin Schmitt, 2011

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Manche Erinnerungen sind immer noch lebendig: Die Zeppeline, die in den Sommermonaten mit leisem Gebrumm über dem Dorf auftauchten und ihre Runde drehten. Mir war es unverständlich, wie diese Luftungetüme am Himmel blieben. Irgendeine unbekannte Kraft schien sie da oben zu halten. Sie machten Werbung für irgendwelche Produkte. Wie gerne hätte ich damals in der kleinen Gondel gesessen, wie gerne wäre ich selbst Luftschiffer gewesen und mit ihnen davongefahren durch die sommerlichen Lüfte, über die Berge, über die Ozeane bis ins ferne Afrika, Amerika, die Antarktis... Tagträume eines kleinen Jungen vom Land, der gerne in den Himmel schaute. Nachts träumte er dann von einer ganzen Invasion von Luftschiffen, die aus dem Süden über dem Dorf auftauchten, bizarre Maschinengeschöpfe mit Flügeln wie Vögel, mit Beinen wie Tieren, Gesichtern wie Menschen. Sie ähnelten mehr den bizarren Schöpfungen der Vorzeit als Hervorbringungen des Maschinenzeitalters...

Natürlich waren die Luftschiffe keine bizarren Traumgeschöpfe: Sie dienten auch militärischen Zwecken. Allerdings waren sie zu behäbig, um erfolgreich zu sein. Den Feinden boten sie weithin sichtbare Zielscheiben. Im ersten Weltkrieg wurden sie dennoch eingesetzt zur militärischen Aufklärung. Während die Schiffe unsichtbar über den Wolken in der Sonne kreisten, wurden verwegene Männer mit Fernrohren in sog. Spähkörben, die vom Boden schwer zu erkennen waren und an langen Seilen hingen, heruntergelassen, um die feindlichen Linien zu erkunden. Sinnvoller war der Einsatz in der Luftwerbung oder im transatlantischen Passagier- und Postverkehr, der Amerika und Europa näher zusammenrückte, ja ein erster Schritt zum global village war.

Zu den photographischen Ikonen der Moderne gehören auch die legendären Bilder aus der Pionierzeit: die riesigen Produktionshallen auf dem Bodensee, die umjubelten Transatlantikflüge der Hindenburg, die Katastrophe von Lakehurst am 6. Mai 1937, als innerhalb von nur 34 Sekunden der Zeppelin verbrannte. Wie durch ein Wunder überlebten von den 98 Besatzungsmitgliedern 62 das Inferno.  

Wer mehr über die Geschichte der Luftschifferei erfahren möchte, dem sei ein Besuch im Zeppelin Museum Friedrichshafen empfohlen. 1996 wurde es in dem ehemaligen Hafenbahnhof, der selbst schon durch seine vom Bauhaus inspirierte Architektur sehenswert ist, eingerichtet. 1998 erhielt das neue Museum den europäischen Museumspreis. Das Konzept ist einzigartig, weil in ihm Kunst und Technik zusammenfinden. Neben der Dokumentation der Frühgeschichte der Luftschifffahrt wird eine umfangreiche Sammlung mit Arbeiten von Otto Dix gezeigt. Der Bogen der ausgestellten Werke spannt sich von mittelalterlicher Kunst aus dem Bodenseeraum bis hin zu Künstlerinnen und Künstlern der Gegenwart. Wirklich spannend wird es dort, wo sich Technik und Kunst tatsächlich in einem Dialog begegnen. Dies geschieht in regelmäßigen Wechselausstellungen. Wunderbar die Sciame di dirigibili, die Zeppelin-Schwärme des mexikanischen Künstlers Héctor Zamora (geb. 1974), die so sehr den alten Kinderträumen von der Luftinvasion der Luftschiffe über dem Dorf ähneln. Zamora inszeniert den alten Kindertraum. Auf den Bildschirmen schweben Luftschiffe wie Fischschwärme über Venedig. Besucher/innen der 53. Biennale von Venedig erinnern sich vielleicht noch der Zepplin-Schwärme, die Zamora damals in der ganzen Stadt verteilt hatte. Jetzt hängen die Zepplin-Schwärme von der Decke des Museums in Friedrichshafen, Videos dokumentieren die Invasion der Luftschiffe über Venedig, zeigen wie ein Zeppelin zwischen den Gebäuden des Arsenals strandet. Zeppeline als liebenswerte Urzeitwesen. Plakate, Fotomontagen, Postkarten setzen das Spiel zwischen Fiktion und Realität fort. Zamora inszeniert den Mythos Zeppelin, schöpft das Faszinations- und Assoziationspotential aus, das in diesen Gefährten der Lüfte steckt. Sicherlich hatte auch er als Kind von einer Invasion der Luftschiffe geträumt.

Ein ganz besonderes Hightlight ist die originalgetreue Rekonstruktion eines Teilstückes der LZ 129 Hindenburg. Man betritt die Gondel der Passagiere, wirft einen Blick in die Schlafkabinen und den luxuriösen Aufenthaltsraum. Selbst ein Raucherzimmer gibt es, nicht ganz ungefährlich bei der leicht entzündbaren Füllung aus Helium. Sie vermittelt einen authentischen Eindruck vom luxuriösen Reisen mit der Silberzigarre, die am 4. März 1936 die Werthalle in Friedrichshafen verließ. Die Hindenburg ist bis heute mit 245 Meter Länge das größte Luftgefährt aller Zeiten. Es galt das schnellste und exklusivste Verkehrsmittel aller Zeiten und brachte bei einer Reichweite von 10. 000 km in nur zwei Tagen Passagiere, Post und Fracht nach New York und Rio de Janeiro. Der Passagierbereich im Inneren des Luftschiffs umfasste einen Gesellschaftsraum, Speisesaal, eine Bar, einen Rauchsalon und Kabinen für immerhin 50-70 Passagiere. Der Schock, den das tragische Ende der Hindenburg auslöste, brachte die weitere Zeppelin-Entwicklung zunächst zum Erliegen. Legendär war auch de LZ 127, die in 21 die Welt umrundete, tatsächlich bis in die Antarktis fuhr und in New York und in den deutschen Städten umjubelt wurde… Moderne Zeiten!

Viele Exponate erzählen aus der Geschichte der Luftfahrt, erzählen von den ersten Aufstiegen der Montgolfieren (1783), dem ersten Wasserstoffballon von Alexandre C. Charles und verfolgen die technische Entwicklung von den Anfängen bis hin zu modernen Zeppelinen, die heute noch gebaut werden und mit Touristen über den Bodensee kreisen. Kinder schauen staunend in den Himmel. Luftschiffe auch sie. Es wird weitergeträumt.
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Öffnungszeiten:
Mai – Oktober: täglich 9 – 17 Uhr
November – April: Di – So, 10 – 17 Uhr
geschlossen am 24. und 25. Dezember und am 31. Dezember nur bis 14 Uhr geöffnet

Information:

www.zeppelin-museum.de

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 0049/7541-3801-0
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Copyright Titelgrafik: Christoph M Frisch © 2011

 

 

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