Die Halde der ehemaligen saarländischen Grube Viktoria finden wir am Ortsrand von Püttlingen. Der aufgeschüttete Kegel erhebt sich weithin sichtbar aus der Landschaft. Unweit des Fußes stehen noch Fördergerüst und Zechenhaus. Sie sind die letzten Relikte einer Zeit, als diese Region durch Kohleabbau und Stahlerzeugung über viele Generationen hin geprägt wurde.
1866 begann man den Schacht Viktoria I abzuteufen. Zwei weitere Schächte folgten bis 1902. Mit ihnen wuchs die Halde bis zur Stilllegung der Grube im Jahr 1964 auf die stattliche Höhe von 403,5 Metern über NN. Spiralförmig winden sich heute, von Buschwerk und Birken gesäumt, Wege um den steil aufgeschütteten Berg. Die Natur hat sich das Terrain längst zueigen gemacht. Auf der südlichen Seite ist aus dem ehemaligen Absinkweiher ein Biotop entstanden. Wasser, Ufer und Haldenhänge bieten seltenen Pflanzen und Tieren Lebensraum.
Egal welchen Weg man zum Aufstieg wählt, jede Seite der Halde verspricht schon bald interessante Ausblicke in die Landschaft. Oben angekommen steht man auf dem, mit einem Gipfelkreuz zentrierten Plateau, das weite und freie Sicht gewährt. Aufsteigende Dampfsäulen am Horizont geben Kunde von einer, auch über die Grenzen hinweg, gewachsenen Industrieregion. Im Osten und Südosten erkennt man die Wasserdampfwolken der Kraftwerke Bexbach und Weiher. Südwestlich schickt die petrochemische Industrie von Carling ihre Dampfwolken an der deutsch-französischen Grenze in den Himmel. Westlich und acht Kilometer entfernt türmt sich die Halde Duhamel neben dem Kraftwerk Ensdorf, dahinter dampfen und rauchen die Anlagen der Kokerei Dillingen, für die am gleichen Ort ansässige, Stahl erzeugende Industrie.
Stimmungsvolle Wege führen auf und um die Halde Viktoria durch die Bergbaufolgelandschaft.
Blick vom Haldenplateau in Richtung Völklingen. Rechts am Rand erkennt man die Silhouette des Weltkulturerbes Völklinger Hütte. Am Horizont sieht man die petrochemischen Werke von Carling, Frankreich.
Die weiblicher Benennung einer Grubenanlage in vorwilhelminischer Zeit war durchaus ungewöhnlich, bekamen doch nur Stollen üblicherweise Frauennamen zugewiesen.
Die Grube Viktoria wurde nach der Kronprinzessin Victoria Adelaide Mary Louisa von Sachsen-Coburg und Gotha, geborene Princess Royal von Großbritannien und Irland (1840 bis 1901) benannt. Sie war das erste Kind von Albert von Sachsen-Coburg und Gotha und Königin Victoria von Großbritannien. Nach ihrer Heirat mit Friedrich III. war sie preußische Königin und deutsche Kaiserin und die Mutter von Kaiser Wilhelm II.
Zechenhaus und För- dergerüst der ehema- ligen Grube Viktoria _____________________________________________________________________________________________________
Information
Anfahrt: Über die L 269 kommend, biegt man vor Püttlingen auf die Straße Zur Bergehalde ab. Dann richtet man sich auf der rechten Seite nach der Sportanlage Espenwald aus, dort befinden sich auch Parkplätze.
Anfahrt ÖPNV: Haltestelle Saarbrücker Straße in Püttlingen.
Die Halde Viktoria gehört im Rahmen des Regionalparks Saar zum Haldenrundweg. Hinter einer Informationskarte und neben den Tennisanlagen des TC ROT -WEIß Püttlingen beginnen die Wege für einen Haldenspaziergang. Sie sind ringförmig um die Anlage angelegt. Der mittlere Weg führt direkt und recht steil zum Haldenplateau. Der äußerste Weg führt u.a. auch zu dem ehemaligen Absinkweiher.