Weltkarte

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Frankreich, Roussillon

DIE FARBEN DER ERDE
von Christoph M Frisch, 2010

ansicht von roussillon

Seit den Tagen der römischen Besatzung wird in der Provence das mineralische Farbmittel Ocker abgebaut. Berühmt ist dabei der Ort Roussillon im Department Vaucluse geworden. Kein Reiseführer in dem dieser nicht verzeichnet wäre. Roussillon im lateinischen viccus russulus, bedeutet zutreffend roter Berg. Wie viele andere berühmte oder vergessene Ansiedlungen im Garten Frankreichs, liegt auch dieser wehrhaft auf einer kleinen Erhebung. Selbst aus den Hängen des entfernten Lubéron lässt sich Roussillon mühelos anhand seiner leuchtend roten Farbe von anderen Ortschaften unterscheiden. Das sind die Wunden die der Pigment-Abbau rund um den Ort  in den Berg schlug. Berühmt wurde jedoch kein rötliches Pigment wie man angesichts dieser Optik annehmen könnte. Vor allen anderen Farbtönen die in dieser Region gefunden und abgebaut wurden war es der Goldocker den wir heute als das typische Barockgelb kennen, der Roussillon  über die Grenzen hinweg bekannt gemacht hat.

 

In römischen Zeiten verwendete man das Ocker-Pigment vor allem für das Färben von Textilien und dem Bemalen von Töpferwaren. Ende des 18. Jahrhunderts und mit zunehmender Industrialisierung wurden Pigmente nicht mehr nur für Malfarben oder dem Einfärben von Mörtel für Hausputze benutzt. Farbpigmente benötigte man auch bei der Herstellung von Lebensmitteln und Kosmetik. Hier war es natürlich erforderlich ungiftige Pigmente zu verarbeiten. Diese Vorgaben erfüllten die Ockerpigmente  und unter diesen Voraussetzungen wandelte sich der idyllische Ort zu einem industriellen Zentrum. Ockerfarbe aus Roussillon wurde hinfort nach ganz Europa exportiert. Auf dem Höhepunkt in den Jahren zwischen 1900 bis 1930 wurden hier jährlich bis zu 35.000 Tonnen Gestein verarbeitet.

 

Doch schon bald verdrängte die Entwicklung synthetischer Farbstoffe das mineralische Pigment nahezu vollständig aus den industriellen Fertigungsprozessen. Die Nachfrage nahm mehr und mehr ab und der Niedergang der Ocker-Industrie in Roussillon war die unvermeidliche Folge. In den 50. Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde der Abbau in der Provence wegen Unrentabelität dann endgültig eingestellt.

Die Ockersteinbrüche von Roussillon

Beim Spaziergang durch die Klüfte der Ockersteinbrüche drängt  sich dem Besucher  kein Gefühl von geschundener Landschaft auf,  wie man dieses z. B. aus den Braunkohle-Übertageabbaugebieten kennt.  Die Farben glühen in einem für Erdfarben außergewöhnlichem Spektrum. An manchen Stellen finden sie  sich in fast reinem Weiß, an anderen in einem dunklen Rotviolett. Neben diesen Extremen offenbart sich in den Canyons die ganze gelb-ocker-braun Palette die den Ort so berühmt gemacht hat.  Der Grund und die Hänge sind von Wind und Regen weich geschliffen.  Und damit der Besucher hier überhaupt einen Tritt finden kann hat man an vielen Stellen Stufen in das  Gestein geschlagen die einem das Vorankommen ermöglichen. Oberhalb des Canyons säumt dann das Grün der Pinien und bei passender Witterung das tiefe Blau des Himmels ein grandioses Bild voller Wärme.

 

Herstellung

Mahlwerk_SUm das Ocker-Pigment zu gewinnen, hat man
das Gestein zerkleinert und gemahlen. Danach
wurde per Ausschlämmverfahren das feinste
Material gesammelt.  Für dieses Verfahren
hatten die Fabriken eigene, mehrere Hektar um-
fassende Waschplätze mit Klärbecken angelegt.
Mithilfe von Windmühlen konnte zuletzt das ge-
trocknete reine Pigment von anderen Ballast-
stoffen getrennt werden. Neben den natürlichen
gewonnen Farbtönen wurden die  Pigmente zur
Erzielung eines bestimmten Farbwertes bei Be-
darf gebrannt.

 

Ocker-Pigmente selbst finden

Pigment_SDiese Möglichkeit besteht natürlich in der Umgebung von Roussillon. Allerdings sei an dieser Stelle dringend angeraten dies in den Ockersteinbrüchen, die nur gegen ein Eintrittsentgeld zu besuchen sind, zu unterlassen. Dies ist dort aus gutem Grund verboten.  Selbst gegrabene Pigmente, besser das Rohmaterial, haben natürlich  erst einmal nicht die feine Kornstärke eines Materials das den oben beschriebenen Herstellungsprozess durchlaufen hat. Sie eignen sich aber trotzdem für die künstlerische Gestaltung. So lassen sie sich als Füll- oder Farbmittel nutzen nachdem man sie in einem Mörser zerkleinert hat.

 

Le Village

Roussillon Village

Zwischen dem Plateau de Vaucluse und der Montagne du Lubéron, 10 km östlich von Gordes liegt das kleine Städtchen auf den Ockerfelsen. Am Eingang des Ortes unterhalb der Felsen befinden sich Parkplätze. Es ist nicht zu empfehlen in den Ort hoch zu fahren, da es dort nur sehr wenige Parkmöglichkeiten für Tagesbesucher gibt.  Der Weg zu den Ockerbrüchen ist gut ausgeschildert und nicht zu verfehlen. Am Friedhof vorbei gelangen Sie über einen der Wege zu den Brüchen. Der Besuch ist kostenpflichtig.

Es lohnt sich auch ein Besuch bei den Ruinen des Château aus dem 13. Jahrhundert innerhalb des Ortes. Von dort gibt es eine großartige Panoramasicht auf den Mont Ventoux, die Montagne du Lubéron und das Plateau du Vaucluse.

Im Ort selbst ist von der Ruhe die einst Maler, Musiker und Schriftsteller nach dem zweiten Weltkrieg hierher zog, nur noch wenig zu spüren. Restaurants, Snacke Bars und Teestuben sind stets gut besucht. Neben Gordes oder Fontain de la Vaucluse zieht auch Roussillon  viele Provence-Reisende an.

Roussillon selbst ist alt. Schon vor zweitausend Jahren gruben hier die Römer nach Pigmenten. Es liegt auch nur wenige Kilometer neben der Vita Domitia, der Römerstraße die Mailand mit Spanien verband. Nach den Römern geriet Roussillon für eine lange Zeit in Vergessenheit und war einer der vielen kleinen Orte in der Provence deren Bewohner von dem Anbau von Gemüse, Früchten und Getreide lebten. 

1780 begann  Jean-Etienne Astiers in Eigeninitiative mit dem Ockerabbau. Aufzeichnungen der Dorfchronik  belegen, dass dies nicht gerade zur Freude der anderen Dorfbewohner geschah.  In einem Schreiben aus dem Jahre 1810 tadelt der Dorfrat Herrn Astier wegen all des Staubs, Lärms und herumliegender Steine. Dessen ungeachtet wurde das sich uns heute so idyllische präsentierende Dorf zu einer Bergarbeiterstadt die viele Arbeitskräfte aus der Region zusammenzog um der gewaltigen Nachfrage nach dem Ockerpigment gerecht zu werden. Mit dem Niedergang dieser Industrie geriet Roussillon abermals schnell wieder in Vergessenheit , bis es dann -wie auch andere Orte in der Provence- von Künstlern wiederentdeckt wurde.

 

Zu Zeiten der deutschen Besatzung versteckte sich hier der Nobelpreisträger Samuel Beckett (1906 – 1989) und schrieb  als noch unbekannter Literat sein berühmtes Theaterstück “Warten auf Godot“. In der Chemin de la Bergère in Roussillon finden Sie die Association " La Maison Samuel-Beckett " die sein Andenken pflegt.


In den Gassen von Roussillon                                                                                                  
                                          Die malerischen  Gassen von Roussillon.

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Tip

Zu einem Besuch der Ockerbrüche empfiehlt sich neben festem Schuhwerk auch die passender Kleidung.
Sie befinden sich im Reich der Farbe!  Flecken und Verfärbungen sind nach einem solchen Spaziergang
nicht auszuschließen.

Informationen

Muehle

 

Informationen zum Thema finden Sie auch in der alten Mathieu Mühle.
Diese beherbergt heute das Conservatoire des ocres et pigment


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© Fotos zu diesem Artikel und zu dem
Galerie-Modul: Christoph M Frisch, 2010

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