Weltkarte

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Großbritannien, Isle of Arran

SPURENSUCHE
AUF DER INSEL ARRAN

von Christoph M Frisch, 2010
Fotografien:  Christoph M Frisch und Markus Schwan

isle of Arran

 

Die Barytminen bei Glen Sannox

Geschichte
Das Vorkommen von Baryt auf der Isle of Arran war schon seit 1770 bekannt. Mit dem Abbau des Minerals begann man aber erst im Jahre 1840. Im Laufe von 24 Jahren teufte man in kleinen Schritten auf beiden Seiten des Sannox Burn zwei vertikale Schächte ab. Diese folgten in einer Tiefe von 30 Metern den Baryt-Adern, sogar bis  unter das Flußbett. Hundert Tonnen konnten so im Jahr gefördert werden. Das Mineral verkaufte man als fertiges, teils auch farbiges Pigment, an Papierfabriken nach Glasgow.

11th-Duke of Hamilton1862 wurde der Abbau auf Beschluss des 11th Earl of Arran eingestellt und das Bergwerk bei Glen Sannox wie auch der Steinbruch in Corrie geschlossen. Der Earl wollte dadurch verhindern, dass das Bild der Landschaft, seines Jagdgebietes, weiter durch den Abbau verändert wurde.

Nach dem 1. Weltkrieg begann man 1918 mit den Arbeiten zur Wiedereröffnung des Bergwerks. Eine Trasse wurde geschaffen, auf der man das Gestein zum Mahlwerk brachte. Mit Hilfe von Seilzügen und durch das natürliche Gefälle ließ sich dieses Projekt recht ökonomisch umsetzen. Außerdem baute man eine Schmalspurbahn, die die fertigen Produkte über den Sannox Burn und einem Holzsteg zum Verladen auf kleine Frachtschiffe transportierte. Am heutigen Standort der Kiesgrube von Glen Sannox sind noch einige Betonfragmente dieser Anlage zu sehen. Die Untertageförderung belief sich nach diesen Erweiterungen auf 10.000 Tonnen jährlich. Wobei es sich bei dieser Zahl um abgebautes Gestein, nicht aber um die reine Baryt-Förderung handeln dürfte.

Entlang der neu geschaffenen Trasse wurde der Abbau nach Norden bergaufwärts in den Torr nan Gobhar weitergetrieben. Zusätzlich legte man auf der Südseite des Sannox Burn weitere Schächte an. Die Wasserkraft des Sannox Burn machte man sich zunutze, um das gewonnene Material zu zerkleinern und vom eingeschlossenen Muttergestein zu trennen. Oberhalb dieser Anlage findet sich ein Graben, mit dem Wasser umgeleitet wurde. Nicht erkennbar ist allerdings, geschah dies zum Betreiben von Wasserrädern oder wollte man an im Flussbett gelegene Baryt-Adern gelangen.

 Arran historisches Bildmaterial

 


                                                                                                                                                                                              

Arran_historisches Bildmaterial

 

 

 

 

 

 


Historisches Bildmaterial

o.l.: Areal der Trasse, Seitenansicht; o.r. u.r.: Fertigungs- oder Aufbereitungsanlagen; u.r.:Sannox Bay mit Verladesteg

Obwohl nachweislich noch große Baryt-Vorkommen vorhanden waren, hat man die Förderung auf Arran kurz vor dem 2. Weltkrieg eingestellt und die Gleise der Transportstrecke komplett abgebaut. Wartungs- und Erschließungsarbeiten wurden noch bis in die 50er Jahre weiter betrieben, die Förderung wurde aber nicht wieder aufgenommen. Durch die starke Vermengung mit dem Muttergestein, wobei es sich hier größtenteils um Sandstein handeln dürfte, waren andere Standorte wie z.B. die Foss Mine nahe Aberfeldy (GB) wesentlich attraktiver. Dort finden sich bis zu 8 Meter dicke reine Baryt-Schichten, die den Bedarf Großbritanniens bis zum heutigen Tag decken.

Die Förderung reines Baryts belief sich in den Jahren 1853 – 1865 auf ca. 5000 Tonnen. Zwischen 1918 und 1938 lag die jährliche Förderung bei ca. 4000 Tonnen.

Ein interessanter Bericht über die Fabrik, ihre Funktion und die Herstellung von Baryt-Pigmenten  erschien im Jahr 1843.  Darin heißt es: 
 

Vor nicht langer Zeit errichtete der Herzog von Hamilton auf der Insel Arran, an der Mündung des Elyde -Flusses eine Fabrik, worin schwefelsaurer Baryt (Schwerspath) zu Malerfarben zubereitet wird. Professor Traill berichtet über dieselbe folgendes.

Die Fabrik liegt in geringer Entfernung von einem einen Granitfelsen durchziehenden Schwerspathlager, welches gegenwärtig bergmännisch ausgebeutet wird. Dieser Schwerspath ist sehr rein, krystallinisch und durchscheinend; manchmal kommt er etwas bräunlich gefärbt vor; er gehört der geradschaligen Varietät an und übertrifft hinsichtlich der Reinheit alle bisher ausgebeuteten Lager.

Alle Maschinen dieses wohleingerichteten Werks werden durch ein oberschlächtiges Wasserrad von 8 Meter Durchmesser und 2 Meter Breite in Bewegung gesezt. Der Spath wird zuerst sortirt und dann gewaschen. Er ist so spröde, daß er ganz leicht in Stüke gebrochen werden kann, in welchem Zustande er mit verdünnter Schwefelsäure ausgewaschen wird, um ihm jede Spur einer färbenden Substanz zu entziehen. Hierauf wird er mittelst zweier, n.it gußeisernen Reifen umgebener, verticaler Mahlsteine aus Granit, die sich in einem ebenfalls granitnen Trog drehen, zu Pulver gerieben; diese Mahlsteine wiegen 5 Tonnen.

Das so erzeugte Pulver wird in gußeiserne cylindrische Behälter von ungefähr 7 Meter Durchmesser gebracht, die mit Granitplatten gepflastert sind und in welchen man es in Wasser mittelst großer Granitblöke fein pulvert, die mit eisernen Ketten an den Armen einer durch das Wasserrad in Bewegung gesezten vertikalen Achse befestigt sind.

Ein von Zeit zu Zeit in diese Behälter gelassener Wasserstrom reißt die feinsten Theile mit sich, welche sich in großen Trögen in Gestalt eines unfühlbaren Pulvers ansammeln. Vier so große Mörser sind in einem und demselben Raume, in welchem auch das Zerbrechen und Grobpulvern vor sich geht.

Der gesammelte Bodensaz wird getroknet und in Steine geformt, die in einen auf 76° R. geheizten Troknenraum kommen und nach dem Troknen gebrochen und zur Versendung in Fässer verpakt werden.

Die Maschinen des Etablissements sind im Stande wöchentlich 20 Tonnen Schwerspathweiß und mehr noch mit einem Wechsel von Arbeitern zu bereiten; zur Zeit erzeugen sie mit 6 Mann wöchentlich 10 Tonnen.

Dieses Weiß wird mit Oehl angerührt, wie das Bleiweiß, welchem man es bekanntlich oft zusezt, um ein geringeres und wohlfeileres Weiß darzustellen; in der Fabrik zu Arran aber gibt man ihm auch verschiedene Farben, wie blau, gelb und grün in verschiedenen Nuancen.

Hr. Traill fragte nicht nach Ihrer Bereitung, analysirte sie aber und es gelang ihm, sie dadurch nachzuahmen, daß er verschiedene Farben auf den präparirten Schwerspath niederschlug, welcher in Wasser oder vielmehr in den zur Erzeugung dieser Farben geeigneten Metalllösungen suspendirt war. So bekommt man, wenn man ihn in eine Auflösung von eisenblausaurem Kali rührt und ein Eisenorydsalz zusezt, ein schönes  Blau; rührt man ihn in eine Lösung von chromsaurem Kali, so erzeugt essigsaures Blei ein herrliches Gelb.

Merkwürdig ist, daß das niedergeschlagene Pigment durch Säuren ziemlich schwer vom Barytsalz zu trennen ist, so daß eine Verwandtschaft zwischen den Metallfarben und dem schwefelsauren Baryt zu bestehen scheint. (Echo du monde savant, 1843, N0. 15 )

 

Erschienen bei  J.G. Gotta 1843 in
Polytechnisches Journal , Volume 88
von Johann Gottfried Dingler

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Barytkristalle_Arran_CMF_IKA

Baryt
Baryt ist ein häufig vorkommendes Mineral, das unter seiner chemischen Bezeichnung als Bariumsulfat bekannt ist. Die Kristalle sind von weißer Farbe, kommen aber in der Natur durch Fremdbeimengungen in vielen anderen Farben vor. Der Name ist vom griechischen Wort barys (schwer) abgeleitet. Baryt (Synonym Schwerspat) weist eine recht hohe Dichte für ein Mineral auf (4,48g/m³). Die wichtigsten Fund- und Abbaugebiete liegen in Deutschland, Frankreich, den USA und in Großbritannien.

Die industrielle Verwendung von Baryt ist so vielfältig wie seine farblichen Erscheinungsformen. Als Baryumsulfat dient es zur Abschirmung in Röntgenabteilungen und ersetzt dort den Einsatz von Bleiplatten. In Beton eingebracht, kann es radioaktive Strahlen zurückhalten. Als Barytbeton nutzt man es  in Krankenhäusern und Abteilungen, die mit radioaktiven Substanzen umgehen, zur Abschirmung.

Im nautischen Bereich bedient man sich der zerkleinerten Kristalle zur gegengewichtigen Ballastaufnahme bei Wasserfahrzeugen. Ein ganz wichtiges Einsatzgebiet liegt im Bereich der Tiefbohrtechnik, dort wird Baryt als Zusatz für Bohrspülungen eingebracht. Durch seine große Dichte erzielt man einen hohen Schweredruck in der Flüssigkeit und kann das Bohrloch damit stabilisieren. Bei der Herstellung weißer Pigmente wie Lithopone wird das Mineral ebenso eingesetzt, wie auch als Füller bei der Entwicklung fotografischer Papiere.

Da der Kristall recht weich ist (Mohs-Härte 3 – 3,5 ; Glas lässt sich ab einer Härte von 7 ritzen), kommt er nur sehr selten als Schmuckstein vor. Außerdem reagiert er sehr empfindlich auf direkte Sonneneinstrahlung, was seine Verwendung in diesem Bereich noch unattraktiver macht.

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  Mineneingang Industriekultur Ansichten  

Spurensuche

Unsere erste Erkundung im Tal des Glen Sannox fand unter besten schottischen Witterungsbedingungen statt. Vom Sannox Burn hatten wir nur aus der Google Earth®-Ansicht eine Vorstellung. Das dort zierlich wirkende Rinnsal entpuppte sich jenseits der Satellitenansicht als ein Wildwasser, das tosend und mäandernd seinen Weg von den Hängen des Cir Mhor bis zur Sannox Bay suchte. Zusätzlich gespeist aus den seitlichen Bergen baut sich eine Wasserkraft auf, die ein tiefes Bett geschaffen hat und nur an wenigen Stellen Furten zur Überquerung zulässt. Bezüglich Wasser sollten wir aber an diesem Tag noch die unermüdlichen Quellen schottischen Himmels kennenlernen. Zu Beginn unserer Tour passierten wir trockene Trampelpfade, umsäumt mit triefend nassem Farn bei leichtem Nieselregen. Ab und an wurden ein paar Schafe unsere nervösen Begleiter, unentschlossen, an welcher Stelle man die zweibeinigen Ruhestörer passieren kann, um sie dann ihres Wegs ziehen zu lassen. Mit jeder Minute unserer Wanderung wurde der Regen stärker und am Boden schmälerten sich im gleichen Verhältnis die trockenen Passagen. Abseits des erkennbaren Pfades ist der Untergrund moorig und deshalb sowieso immer nass.



 

Die Hänge des Torr nan Gobhar mit seinen kleinen Abraumhalden, sind gut vom Tal aus zu sehen. Außerdem gibt es hier unten das eine oder andere Betonfragment, das nicht in diese Landschaft gehört und als Rest der ehemaligen Förderanlagen von uns identifiziert wird. Schatten im Hang deuten wir hingegen fälschlich als Mineneingänge. Sonst ist kaum etwas zu erkennen. Von den Anlagen werden wir an diesem Tag wohl nichts mehr sehen. Ein Aufstieg und ein Suchen nach den Minenschächten erscheint bei diesem Wetter sinnlos; die geplanten Dokumentationsfotos unter diesen Lichtbedingungen könnte man eh vergessen.

 Nicht gesucht, aber gefunden, haben wir dafür den bestialisch stinkenden Kadaver eines verendeten Schafes. Dieser veranlasst uns diesen Ort dann doch etwas schneller zu verlassen. Wir ziehen es vor weiter den Sannox Burn hinauf zu wandern. Solange unsere gute Laune anhält und wir von der Nässe nicht übermäßig ausgekühlt werden, ein beeindruckendes Naturerlebnis.

Corrie FriedhofSchottische Wetterberichte sind Extraklasse! So können sie mit großer Sicherheit und Präzision sagen wie das Wetter war. Prognosen und Aussichten sind jedoch mit etwas mehr Vorsicht zu betrachten. Je öfter man sich am Tag die Vorhersagen anhört, um so verwirrender wird das Ganze. - Vielleicht ist es ja auch wirklich gar nicht so einfach das Mikroklima für eine kleine Insel wie Arran vorherzusagen.

Der nächste Morgen wartet immer noch mit leichtem Regen auf, es soll aber besser werden. Die Hoffnung darauf muss uns genügen. Angesichts unserer zeitlichen Planungen bleibt auch nicht viel Spielraum bis zu unserem Rückflug in wenigen Tagen. Heute also gehen wir die Minen suchen.

Wir haben Glück. Der bleigraue Himmel hat sich entschlossen sein Wasser zu behalten und - so die Prognose - es freundlicherweise auf englischem Festland zu entsorgen. Wir haben da zwar unsere Zweifel, aber immerhin, beim Blick auf den Himmel sieht es wirklich nicht so schlecht aus. Von Sannox Bay machen wir uns auf den Weg. Einem kleinen malerischen Friedhof statten wir einen kurzen Besuch ab. Die Grabsteine sind zum Teil sehr alt, verwittert und schwer bis gar nicht mehr lesbar. Viele stehen so schräg, als hätte der Wind sie gebeugt. Doch dieser Ort ist keineswegs vernachlässigt. Der Rasen präsentiert sich bestens gepflegt in englischem Grün und kurz geschnitten.

 
Baryt Abraumhalde mit Schafen
Schafe, unsere ständigen Begleiter hier auf einer der kleinen Abraumhalden.

Auf dem Weg passieren wir zwei Sicherungsschleusen, die dazu dienen Menschen und Schafe zu selektieren. Wer es schafft die Anlage zu passieren ist kein Schaf. Wir kommen durch. Erfreut uns auch weiterhin der menschlichen Rasse zugehörig zu fühlen, geht es weiter vorbei an imposant zusammengesetzten Trockenmauern, deren privater Himmel, die dahinter schnell ansteigenden farnbewachsenen Hänge bilden. Schon bald kündet uns ein bekanntes Rauschen von der Nähe des Sannox Burn. Über einen Holzsteg, darunter ein kleiner Wasserfall, passieren wir ihn und gelangen dann in das Gelände der gestern noch so nassen Farne. Doch heute haben wir vorgesorgt. Gamaschen sollen verhindern, dass die Nässe von oben in die Schuhe Einlass findet. Jetzt sind die Farne trocken.

Minuten später stehen wir am Fuß des ehemaligen Minenareals und schütteln uns innerlich schon bei der Vorstellung an den Geruch des toten Schafes. Doch wir bleiben mit unseren Befürchtungen alleine. Der Kadaver ist immer noch da, behält seinen Geruch aber irgendwie bei sich. Man muss feststellen, dass das mit unseren Erwartungen wohl so eine ganz spezielle Sache ist und sich die Frage stellen, wie ist dieser Umstand hinsichtlich unserer Minensuche zu bewerten?

Arran BaritminenTrümmer am Fuß der ehemaligen Trasse.

Wir sehen Mauerreste, Gräben und Beton mit abgeschnittenem Eisen. Es geht bergauf. Und bald ist klar: auf unserem gewählten Weg bewegen wir uns keinesfalls auf einer natürliche Formung, sondern der Untergrund ist aufgeschüttet und über zweihundert Meter weit nach oben geebnet. Wir stehen auf der Trasse, über die das Gestein auf Schienen ins Tal befördert wurde. Links und rechts befinden sich kleine Abraumhalden, auf denen verdächtig weißes Gestein zu sehen ist. Nun wird uns beiden auch langsam klar, dass die gestern vermeintlich als Mineneingänge identifizierten Bereiche nur die Schatten dieser kleinen Halden sind. Unsere Enttäuschung hält sich jedoch in Grenzen, denn wir wissen, hier gibt es Minen.

Der Aufstieg gestaltet sich wenig anstrengend durch die breite Bahn der Trasse. Auf beiden Seiten können wir das Gelände nach verdächtigen Öffnungen sondieren. Als erstes entdecken wir dann einen Betondeckel über dem hohen Gras in einem Graben. Vorsichtig steigen wir hinunter und bahnen uns einen Weg durch den unübersichtlichen Bewuchs. Treffer! Die Betonplatte sitzt über einem auf drei Seiten abgemauerten Schacht. Eine Seite ist völlig offen, darunter gähnt eine nicht sehr große, dafür aber dunkle Öffnung. Wie nah man dieser kommen darf, ist zunächst unklar. Das umgebende Gras ist zu hoch und irgendwelche Überhänge sind in keinster Weise zu erkennen. Mit stark eingestelltem Blitz auf der Kamera und langen Armen versuche ich die Distanz zu überbrücken und ein Foto vom Grund zu bekommen. Markus bewaffnet mit Kamera und Taschenlampe stellt eigene Versuche an. Schließlich haben wir den Boden des Schachts ausgeleuchtet. Keinesfalls mehr als sechs Meter tief, rätseln wir, wofür er wohl gedient haben mag. Material, Mensch oder Luft? Das Loch erscheint uns mit seinem knapp einem Meter Durchmesser doch sehr schmal.-

Mineneingang Arran

Wir steigen wieder hoch auf die Trasse. Nur wenige Meter weiter entdeckt Markus jetzt auf der rechten Seite am Ende eines Grabens eine dunkle Öffnung im Gras. Unsere Vorstellungen von Mineneingängen müssen wir wohl kräftig revidieren. Auch dieser Eingang erweist sich als nicht sehr groß. Immerhin könnte man mit wenig Mühe hineinsteigen. Könnte!  Ein Blick in den diesmal horizontal verlaufenden Eingangsbereich zeigt eine Mine, die zur Hälfte unter Wasser steht. Unentwegt tropft es im Inneren von der Decke. Soweit das Licht es zulässt, haben sich Farne und Moose angesiedelt. Aufrechte und quer hängende Holzbalken lassen keinen Zweifel darüber aufkommen, dass es sich hier nicht um eine Mine handeln könnte. Bei meinen späteren Recherchen fallen mir Skizzen in die Hände, die vermuten lassen, dass sich der Stollen schon nach wenigen Metern teilt und einem Bogen nach Osten folgt. Der für uns sichtbare Bereich erstreckt sich gerade aus in den Berg. Ohne eine Wathose kommen wir hier nicht weiter.

Mine Arran

Blick in einen der Mineneingänge. Wasser hat große Bereiche geflutet. Soweit das Licht hineinreicht haben Farne und Moose ihren Platz gefunden.

Nochmals hoch zur Trasse und zu deren Ende. Der Himmel zeigt sich im Nordosten jetzt im sommerlichen Blau. Alles Grau des Vormittags wird langsam gegen Südwest vertrieben. Das Meer liegt ruhig und das gestern noch so verregnete Tal fängt die ersten Sonnenstrahlen ein. Der Sannox Burn ist von hier oben nur noch das uns aus Google Earth
® bekannte Rinnsal. Wir werden wieder fündig. Unterhalb eines von der Eiszeit hier liegengelassenen, rund geschliffenen Granitblocks, zeigt sich wieder ein schmaler Graben und an dessen Ende ein Spalt. Der Boden voller abgestorbenen Gras, wie gestreut für die auch hier oben überall präsenten Schafe. Doch diese meiden instinktiv alle Klüfte und Schächte des Minenareals. Wir machen Rast und beratschlagen bei Brötchen und Wasser über unser weiteres Vorgehen. Das Kameragehäuse bekommt einen Wasserschutz und ein externer Blitz wird auf Slave umgestellt. Der Rest der Ausrüstung bleibt draußen. Schafe mögen keine gefüllten Kamerarucksäcke und Gelegenheitsdiebe dürften sich in diesem Gelände auch nicht so schnell einfinden.

Mine Arran

Im Innern des Berges bestimmen Minengänge von drangvoller Enge das Bild.

Der Eingang in die Mine ist schmal, liegt im Grund am Ende eines Grabens, dessen lose Wände mit Gräsern bewachsen sind.  Unter den Lagen abgestorbenen Grases ist der Boden nicht zu erkennen, geschweige denn dessen Beschaffenheit. Wir sind misstrauisch. Nur wenige Meter vor dem Graben, der den Eingangsbereich zu dieser Mine bildet, auf einer darunterliegenden Ebene, ist ein Stollen eingebrochen und dieser Spalt liegt in direkter Flucht zu unserer Mine. Deshalb geht erst einmal einer voran, um das Terrain zu erkunden. In diesem Fall mache ich das, da ich der Leichtere von uns beiden bin. Unter dem Heu gibt es nur schlammigen festen Boden, der sich auch mit den Schuhen nicht wegschieben lässt. Nach wenigen Metern in dem Spalt trete ich auf festen Stein. Alles Okay.-

Wenig später stehen wir zusammen im Bauch des Berges und sondieren erst einmal  Wände und Decken des Stollens. Eine merkwürdige, etwas muffige Stille umgibt uns, nichts Auffälliges kreuzt unseren Blick. Die Werkzeuge, die den Weg durch das Gestein brachen, gaben den Wänden Struktur. Von der ausgekratzten Baryt-Ader ist nur sehr wenig übrig geblieben. Immerhin, keine dicken Steine liegen auf dem Boden, nichts, dass darauf schließen lässt, dass hier ab und an etwas ab- oder schlimmer noch einbricht. Der Stollen führt zunächst schnurgerade in den Berg. Man hat ihn immer nur so breit aus dem Felsen geschlagen wie die Ader Material spendete, ansonsten bestimmte die Notwendigigkeit Mann und Material hindurchzubringen seine Dimensionen. Es ergeben sich so
innerhalb der Mine immer wieder engere und weitere Bereiche. Eine Betrachtung des Bodens und der an vielen Stellen glitzernden Wände mit Stirnlampen und starker Taschenlampe zeigen uns nur Gestein. Nirgendwo liegt rostendes Arbeitsgerät, allein ein paar zerfaserte Holzplanken wurden hier zurückgelassen. Wie hat man hier unten wohl gearbeitet? Ich stelle mir die Geräusche von Hacken und Schaufeln vor, hölzerne Schubkarren knarren und Bottiche und Eimer werden über den steinigen Grund gezerrt. Es bleibt jenseits meiner Vorstellung wie man sich mit solchem Gerät durch das harte Muttergestein in den Berg zwängt. Permanente Anstrengung und die im Berg immer vorhandene Gefahr von Einstürzen. Das ist kein Abenteuer!

Unsere starke LED-Taschenlampe macht Schwierigkeiten und wird unerwartet heiß.  Das könnte sich mit der Zeit zu einem ernsthaften Problem auswachsen. Wir beschließen deshalb nicht weiter dem Stollen zu folgen, sondern draußen das Areal nach weiteren Spuren abzusuchen.

Glen Sannox   Glen Sannox  Links: Cioch na h-Oighe, wolkenverdeckt in der Mitte: Chir Mhor und rechts: Fearghas.

Dort vollzieht sich unterdessen der Wetterwechsel in einer Art und Weise, dass die eben noch erfassten Eindrücke im Tiefen und Dunklen kurzfristig ihre Intensität verlieren. Wir sitzen auf dem großen Granitblock und staunen vergessend in die vor uns liegende Weite.

Die Sonne bricht sich Bahn und treibt die Wolken aus dem Tal. Allein am Cir Mhor mit seiner gezackten Silhouette sind sie jetzt hängen geblieben und jener bietet ihnen scheinbaren Halt vor dem Sturz in das im Westen hinter ihm liegende Meer. Das Licht jagt die Schatten durch das Tal und die Hänge der Berge beginnen zu leuchten. Ihre stürzenden Wasser werden zu gleißend singenden Rutschbahnen. Überall erwacht das Grün und Gelb der Landschaft. Auf dem Meer, weit vor Brodick,  läuft ein Schaufelraddampfer der Küste entgegen.

Nun zeigen uns auch die Abraumhalden etwas von ihren Schätzen. Die darin verbliebenen Baryt-Kristalle strahlen leuchtend weiß im Sonnenlicht. Dass es sich um Baryt handelt, merkt man ganz schnell,  wenn man solch einen Stein in der Hand wiegt. Er ist immer viel schwerer, als man es von seiner Größe her eigentlich erwarten dürfte.

Wir bewegen uns wieder talabwärts. Passieren große Einbrüche, finden weitere Mineneingänge und Schächte. In einem hängen Metallschienen quer, die wohl von jener Schienenstrecke stammen, die man vor dem 2. Weltkrieg hier demontiert hatte. Bei einer Furt überqueren wir den Sannox Burn und sind dann auf der Südseite des Areals. Dort soll es auch Mineneingänge geben. Aber dieser Bereich ist derart mit Gestrüpp zugewachsen, dass es sich für den Moment nicht lohnt da weiter vorzudringen. Ein Schacht, Loch oder Einbruch ist zu sehen, bei dem es ziemlich in die Tiefe geht, das undurchdringliche Dunkel lässt dies zumindest erahnen. Direkt hinter der Furt, ein Stück im Hang, hat man mächtige Betonplatten in den Boden eingelassen. Hier war der Hauptschacht der Südseite, den man dann doch aus Sicherheitsgründen verschlossen hat, denn Wanderwege kreuzen hier das  Areal. Ein paar hundert Meter weiter südlich sind unterhalb eines Weges und einiger Sträucher Mauern eines Gebäudes zu sehen, das wir von historischen Fotos her kennen. Gut versteckt, kurz vor den dicht bewachsenen steilen Hängen des Flussbettes, inmitten lichter Bäume,  finden wir dann das Wasserrad, mit dessen Kraft man die Mühlen antrieb, die das Gestein zermahlten. Seine Achse und die metallenen Reste der Schaufeln hängen traurig in jenem Betonschacht, in dem vor nunmehr zweiundsiebzig Jahren letztmals dieser Reigen aufgeführt wurde. Überall im Boden sind tiefe Löcher verblieben, die einmal Pfählen oder Stützen Halt gaben. Daneben, wenige Meter tiefer,  tobt das Wasser des Sannox Burn mit stetem Tosen erwartungsvoll dem Meer entgegen.

Damit endet unsere kleine Expedition zu den Baryt-Minen auf Arran. Sollte wir diese Insel wieder besuchen, so werden wir uns für die Minenerkundung mit passenderem Material ausstatten. Und auch hier wieder einen Bericht einpflegen. 

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Bildergalerie "Minen"

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Nachwort 

Was mir bei allen Eindrücken auf der Insel zu unserem Thema am meisten gefehlt hat, waren die Zeugnisse aus dem sozialen Umfeld. Wer waren die Menschen, die hier gearbeitet haben? Kamen sie von der Insel oder drüben von Schottland? Wer hat die Initiative ergriffen und mit dem Abbau des Baryts 1918 wieder begonnen? Auch THE ARRAN HERITAGE PROJECT,  das das Inselleben hervorragend dokumentiert, gibt praktisch keinerlei Antwort zu diesen Fragen. Bei der Recherche zu diesem Artikel in den Dokumenten des Projekts, fand ich fast nichts zu den Baryt-Minen, so als hätte dieses industrielle Zwischenspiel hier nie stattgefunden. 

Aus heutiger Sicht betrachtet ist es natürlich ein wunderbarer Umstand, dass uns Arran, dieses kleine Juwel, mit allen seinen Naturschönheiten erhalten geblieben ist. Die Mentalität seiner Bewohner, freundlich und entspannt, trägt eine Gelassenheit, wie sie wohl nur aus dem Zusammenspiel mit diesem Stück Welt zu resultieren vermag.

Im folgenden Artikel wollen wir es uns dann auch nicht nehmen lassen, Ihnen die Insel mit ihren Besonderheiten ein wenig näher zu bringen.

Nächste Seite: Ein Reisebericht über die Isle of Arran

 

 

NACH ARRAN
von
Christoph M Frisch, 2010
 

Goat Fell ArranVom  Gipfel des Goat Fell ergibt sich bei guten Sichtverhältnissen eine traumhaft schöne Aussicht bis zur irischen Küste.

Unsere Tour zur Isle of Arran führt uns nach der Landung auf dem Airport von Edinburgh quer mit der Eisenbahn durch Schottland. Railway Station Edinburgh, umsteigen in Glasgow und weiter mit dem Zug zur Fähre nach Ardrossan. Vom Bahnsteig dort bis zum Pier sind es keine dreihundert Meter. Die Insel mit ihrer einprägsamen Silhouette zeigte sich schon gegen Ende der Zugfahrt beim Blick aus dem Fenster am Horizont. Vom Oberdeck der Fähre aus werden wir jetzt mit ersten identifizierbaren Details belohnt. Die Gipfel und Grate von Goatfell und Cir Mhor recken sich markant, das stürzenden Wildwassers des Corrie Burn zeigt sich bereits jetzt als glitzerndes Band, trotz der noch sehr ordentlichen Entfernung zum Land.

Hafen und Anlegestelle für unsere Fähre ist Brodick. Das Pier erscheint fast etwas unterdimensioniert für das große Schiff. Aber mit den Proportionen ist das hier so eine Sache wie wir später noch in Erfahrung bringen.

 Arran ist Schottland “en miniature“. Alles was man dort im Großen kennt zeigt sich auch auf Arran – nur etwas kleiner. Stellt man sich eine imaginäre Linie zwischen den Highlands und Lowlands vor, so teilt diese die Insel in zwei Abschnitte die eben diese Landesteile nachbildet. Auf den ca. 430 km² haben gut 5000 Menschen ihre Heimat. Proportional lebt wohl der größte Anteil in Brodick, der Rest verteilt sich mit der die Insel umgebenden Straße auf kleinere Örtlichkeiten wie Catacol, Lochranza, Machrie oder Blackwaterfoot, das auch gleichzeitig der größte Ort an der Westküste ist.

Arran Coast


Unser Ziel heißt Corrie und liegt an der Ostküste. Der Mietwagen wartet schon und nach knapp sechs Meilen Richtung Norden auf der engen und manchmal schlecht befestigten Straße, stehen wir dann vor unserem Domizil für die nächsten Tage. “Waterfront Apartement“ steht auf einem Schild ganz passend neben dem Eingang. Zwischen Haus und Meer liegt nur die Straße und einige Meter Strand. Den Ausblick hinüber nach Schottland kann allein die Witterung trüben.-


Einmal um die Insel
Die ersten Tage unseres Aufenthaltes wollen wir nutzen um uns einen Eindruck von der Insel zuverschaffen. Es gibt eine Straße, einmal rundum und meistens an der Küste vorbei, sowie eine Quertangente. Die Nordspitze - Cock of Arran - wird dabei von Mid Sannox bis Lochranza abgeschnitten und ist nur zu Fuß oder über das Meer erreichbar. Letzteres z.B. auch mit dem Kajak. Ebenso verhält es sich mit der der irischen See zugewandten Südspitze der Insel. Dort verläuft die Straße ab Corriecravie bis nach Largybeg ein Stück im Hinterland. Es gibt allerdings die Möglichkeit auf einer kleinen Straße nach Kildonan abzubiegen, von wo man eine gute Aussicht auf die Inseln Pladda oder Ailsa Craig hat. Bei der Quertangente handelt es sich um die teils sehr gut ausgebaute B 880 “The String“ von Brodick nach Blackwaterfood.

Die Küstenstraße ist abwechslungsreich, zumindest für alle Mitfahrer die mit Muse der Umgebung ihre volle Aufmerksamkeit schenken können. Von Corrie aus kommend, windet sie sich stetig in die Höhe. Moor- und Heideflächen wechseln mit dahinter liegenden schroffen felsigen Passagen. Nach Lochranza dann abfallend wandelt sich das Bild. Rund geschliffene Klippen und grüne Weiden bis zum Meer hinab bestimmen nun die Landschaft. Und natürlich hat es (fast) überall Schafe und dort wo sie im Moment gerade nicht grasen – in ihren Hinterlassenschaften steht man bei fast jedem Schritt. So auch auch vor der Ruine einer alten Burg, die als markantes Wegzeichen dieses nördlichsten Ortes der Insel nicht zu übersehen ist. In Lochranza befindet sich auch der zweite Fährhafen von Arran. Von hier gehen regelmäßig Fahrten zum Festland und der Kintyre-Halbinsel. Ebenfalls erwähnenswert ist die hier befindliche Malt Whisky Distillery. Im 19. Jahrhundert gab es mehr als 50 Whiskydestillationen auf Arran, die meisten von ihnen illegal und sorgfältig versteckt vor den Augen der Finanzbeamten. Der hier hergestellte Whisky galt schon damals als einer der besten in ganz Schottland.

 

Magrie Moor Bronzezeitliche Steinsetzungen bei Machrie Moor

Weiter auf der Fahrt Richtung Süden zwischen Dougarie und Blackwaterfood liegt Machrie Moor. Ein viel zu kleiner Parkplatz taucht plötzlich zwischen den, die Straße säumenden, hohen Hecken auf und ein Schild verweist uns auf die historische Stätte. Dort sollen sich viele Steinkreise und gut erhaltene Menhire aus dem Neolithikum und der frühen Bronzezeit befinden. Die wenigen Kilometer dorthin führen uns durch das Areal einer Schafsfarm und - natürlich - wieder deren tierischen Hinterlassenschaften.

A_Magic_Place

Die steinernen Zeugnisse mal nah beieinander, bald weiter voneinander gerückt sind über das Gelände verteilt. Hohe aufrechte Sandsteine, kleinere kugelige Granite. Alles ein wenig gruppiert um eine ehemaliges Gehöft, ein Croft, das mit seinen Ruinen ebenso malerisch in der Landschaft liegt, wie die benachbarten Zeugen vergangener Zeiten. Dahinter versteckt sich der Gipfel des Goat Fell in den Wolken, aber seine Besteigung haben wir eh' für einen anderen Tag geplant.
Hier ist die Landschaft recht eben, moorig im Grund und wenn nicht nass an der Oberfläche, dann angenehm federnd bei jedem Schritt. Nach Machrie Moor gelangen wir bei bedecktem Himmel und zur frühen Mittagsstunde. Man kann sich vorstellen das zu anderen Tageszeiten und bei anderen Lichtverhältnissen, sehr früh oder auch sehr spät, sich die Atmosphäre dieses Ortes viel intensiver auf den Wanderer überträgt. Ein schöner Platz mit einer Ruhe wie man sie nur noch selten finden kann. Keine Verkehrsgeräusche stören und das Naturerlebnis wird durch das wunderbare Panorama der Landschaft zu einem Höhepunkt unserer Reise.

Eine kurze Wegstrecke weiter hinter Tormore, der nächste Parkplatz, vor einem Wald gelegen und deutlich größer als jener bei Machrie Moore. Hier stellen wir den Wagen ab und machen uns auf zu einer kleineren Wanderung an die Westküste zur King's Cave. Vorbei an tiefem dunklem, verwunschen wirkendem Tannenwald führt der Weg erst einmal aufwärts. Rechts eine Schafsfarm und große Weiden, oben angelangt erwarten wir dann einen Blick über den Kilbrannan-Sund. Der ist leider an diesem Tag nur sehr beschränkt möglich. Dicke Nebel hängen über dem Wasser. Meer und Küste zeigen sich in einer Art schwarz-weiß-Gemälde. Der Abstieg gesäumt vom Tannenwald und links und rechts des Weges einem flächendeckenden Bewuchs aus Brombeeren, Farn und Fingerhut. Letzterer bringt mit seinen Magentatönen Farbe in dieses Bild. Unten dann ein breiter Strand. Ein vorsorglicher Planer hat für das gute Vorankommen der Wanderer breite Kiesschüttungen zwischen dem Gestein des Ufers und dem Dickicht der Pflanzen veranlasst. Bei jedem Schritt sinkt man tief in dieses Kiesbett ein und kommt nur sehr mühevoll voran. Um dem zu entgehen haben die Besucher entlang der Vegetation schmale Trampelpfade geschaffen.

Minuten später erwartet uns dann die vom Meer aus den Gestein gewaschene Höhle. Man erkennt sie ganz gut zwischen den Felsen, denn sie ist mit einem großen Gitter versehen. Innen A_KC_Wanddann feuchtes Dunkel und ein paar Besucher die angestrengt nach Zeichen auf den Wänden suchen.
Für die schottische Geschichte und dem blutigen Kampf um Unabhängigkeit von England ist es ein besonderer Ort, da sich hier, zumindest der Legende nach, Robert the Bruce zeitweise versteckt hielt. Die Piktogramme an den Wänden, sind teilweise wesentlich älter und stammen von Wikingern. Um die King's Cave zu besuchen empfiehlt sich die Mitnahme einer Taschenlampe, da man ansonsten durch das nur spärlich einfließende Tageslicht nicht viel an den Wänden erkennen kann.

Weiter in den Süden. Wir passieren Blackwaterfood und die Mitreisenden dürfen dem Geschick des Fahrzeugführers nun doch ab und an etwas mehr Aufmerksamkeit zuteil werden lassen. Die Straße wird - sagen wir – zunehmend anspruchsvoller, die Kurven unübersichtlicher und kleine Kuppen und Senken lassen die Mägen der Passagiere abwechselnd leicht und schwer werden. Außerdem verlangen Traktoren, Busse und Schafe die jederzeit hinter einer Ecke auftauchen können, erhöhte Konzentration.

Arran Schafe

Es geht weiter durch Kilpatrick,Corriecravic, Sliddery, Lagg, Kilmory, Levencorroch und Dippin. Der Blick auf die See lässt kurz das Auge auf der Insel Ailsa Craig ruhen, die ca. 32 km vor Arran liegt und sich etwas über 300 Meter geheimnisvoll aus dem Meer erhebt. Ein unbewohntes Stück Natur und als Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Bei Whiting Bay steht dann ein weiterer Halt an.  Mit dem sicheren Wissen Hochsommer und Meer müssen doch zusammengehen, nutzen wir den weitläufigen Sandstrand für etwas Kontakt mit Wasser, das nicht erst beim Auftreten aus dem Boden quillt. Bei einer Wassertiefe von 5 cm stellt sich ein bekanntes Mittelmeergefühl ein. 45 cm. ja doch – immer noch erfrischend – noch etwas tiefer - jetzt  wird es unangenehm kalt und stuft fortan alle Illusionen über Hochsommer und entspanntes Baden in diesem Teil des Weltmeeres als no go ein. Angenehmer ist da schon das Panorama über See das sich uns bietet. Vor Whiting Bay erhebt sich die Insel Holly Island. Immerhin auch etwas über 300 Meter hoch und knappe 1,6 Kilometer lang. Sie gilt ebenfalls als ein Paradies für Seevögel und ist - kurios - Standort eines buddhistischen Klosters - das man in diesem Teil der Welt hier nicht so unbedingt erwartet.

In englischen Reiseführern über Deutschland und seine Biergärten wird vor der Gefahr wippender Klappbänke gewarnt die hochfedern können wenn jemand am anderen Ende aufsteht. Den Autoren sei ein Besuch in Whiting Bay nahegelegt. Dort hat man diesen Umstand noch etwas optimiert und die Bänke eines Restaurants gleich mit dem Tisch verknüpft. Das Ergebnis ist, wir haben es erlebt, viel effektiver!

Damit schließt sich im wahrsten Sinne des Wortes langsam der Kreis unserer Fahrt, einmal um Arran. In Brodick nutzen wir den einzigen größeren Supermarkt der Insel für unsere Einkäufe. Nördlich sieht man das gleichnamige Schloss aus dem 13. Jahrhundert, ehemals Stammsitz des Dukes of Hamilton. Ansonsten findet sich hier mehr der logistische Teil der Insel. Banken, Läden, ein paar Firmen und keine Spur jener Hektik die wir von Zuhause kennen.

Whiting Bay and Holly Island

Die Insel Holly Island von Whiting Bay aus gesehen.

 

Goat Fell

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Blick vom Goat Fell  in den Nordwesten der Insel

Der Goat Fell ist mit 874 Metern der höchste Berg auf der Isle of Arran. Zusammen mit dem nahe gelegenen Brodick Castle gehört er dem National Trust for Scotland. Sein Gestein ist Granit und wurde durch die letzte Eiszeit geformt. Der Name bedeutet entweder Berg des Windes (Schottisch-gälisch: Gaoithe Bheinn), abgeleitet von dem gälischen Wort gaoth (Wind), oder Ziegenberg (Schott.-gäl.: Gaoda Bheinn), abgeleitet von dem altnordischen Wort Geita–Fjall.

Der Berg liegt von Brodick Fährhafen etwa drei Kilometer nordwärts in der Nähe von Brodick Castle. Es gibt mehrere Aufstiegsrouten. Wir gehen von Corrie auf der Rundstraße zwei Kilometer Richtung Osten, um den Aufstieg auf den 874 Meter hoch liegenden Gipfel zu bestreiten. Die Luftlinie Küste bis Gipfel beträgt ca. 3,5 Kilometer. Ab 300 Metern über dem Meeresspiegel lichten sich Wald und Büsche und wir erreichen eine offene Moorlandschaft. Der jetzt unverstellte Blick bietet schon jetzt eine wunderbare Aussicht. Zeitweise entlang der munter stürzenden Wasser des Corrie Burn geht es steil nach oben. Schmale Pfade schlängeln sich durch das grasige Gelände. Wir überqueren den Corrie Burn über mächtige, zersprengt in seinem Bett liegende Granitbrocken und müssen danach einen sehr steilen Hang über treppenartige Felsformationen überwinden. Das Plateau darüber gewährt nach den Anstrengungen eine kurze Verschnaufpause.

Auf dem Weg ist man nicht allein. Bei den guten Sichtbedingungen dieses Tages steigen zahlreiche Wanderer nach oben, oder kommen uns vom Gipfel entgegen. Wir dürfen uns bei dem einen oder anderen Zeitgenossen derweilen kopfschüttelnd über dessen Fußwerk wundern, das sich in extremer Wahl, in Form von Gummistiefeln oder Flip Flops in diesem Gelände bewähren muss.

Der Goat Fell an sich ist gut zu besteigen und man benötigt dafür außer gesunden Gelenken und etwas Kondition keine Bergsteigerausrüstung. Der letzte Aufstieg zum Gipfel hat es aber schon in sich und die Belohnung einer grandiosen Aussicht hat man, oben angekommen, dann auch redlich verdient. Die Welt ist blau mit weißen Wolken. Man sieht die Gestade Schottlands, die den größten Teil von Arran umschließen und im Südwesten ist die Küste von Irland eben noch zu erkennen. Der Westen ist bestimmt durch den gebirgigen Teil der Insel, ein nicht weniger beeindruckendes Panorama und im Norden kann man bis Loch Lomond in Schottland sehen. Eine Tafel informiert über alle die Aussichtsziele die man heute gut erkennen kann, die bei plötzlichen Wetterveränderungen hier oben aber auch sehr schnell wieder dem Blick entschwinden. In den steilen Hängen grasen Hirschrudel und Raben lassen sich von den Aufwinden über den Gipfel tragen. Unten im Hafen von Brodick sehen wir die MV Caledonian, ein Fährschiff, das uns schon morgen wieder von der Insel bringen wird.

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ARRAN GALERIE

 

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