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Termine Details - Steirischer Herbst 2010



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Veranstaltungen

Veranstaltung 

Titel:
Steirischer Herbst 2010
Wann:
24.09.2010 - 17.10.2010
Wo:
Festivalzentrum im Stadtpark, Graz - Graz
Kategorie:
Veranstaltungen

Beschreibung

steirischer herbst 24/09 – 17/10/2010


Meister, Trickster, Bricoleure

Virtuosität als Strategie für Kunst und Überleben

„Meister, Trickster, Bricoleure“, das Leitmotiv des steirischen herbst 2010 spielt mit den
unterschiedlichsten Aspekten von Virtuosität: Als Fähigkeit, mit handwerklichem Geschick den
Inhalt zu überhöhen oder uns vom Eigentlichen abzulenken, ist sie nicht nur eine Sache der
Meister – sie ist auch das wichtigste Instrument aller Taschendiebe und Hütchenspieler. Der
Steuerhinterzieher gehört ebenso zur zweideutigen Welt des Virtuosen wie der Bricoleur als
Bastler mit allem, was zur Hand ist. Aber auch das Vereinen von Beruf, Leben und Sozialem
erfordert eine Virtuosität im permanenten Jonglieren mit disparaten Anforderungen, die keine
Ausnahme mehr, sondern tagtäglicher Ausnahmezustand für viele geworden ist.

Das Spektrum der Virtuosität im steirischen herbst 2010 ist also weit: Die phänomenale Virtuosität von William
Forsythe und seinen Tänzern – mit „I don’t believe in outer space“ sind sie erstmals in Graz zu
sehen – steht selbst bei einer konventionellen Definition ebenso außer Frage wie beispielsweise
die des Pianisten Marino Formenti der acht Tage lang, täglich 12 Stunden im stadtmuseumgraz
leben und spielen wird und so seine Grenzen erprobt. Friedrich Kittler, der an der herbst-
Konferenz „Meister, Trickster, Bricoleure“ teilnimmt, steht exemplarisch für virtuoses Denken.
Für die Eröffnungsproduktion „Maschinenhalle #1“ haben sich der Komponist Bernhard Lang, die
Choreografin Christine Gaigg, der Medienkünstler Winfried Ritsch und der Lichtdesigner und
Bühnenbildner Philipp Harnoncourt zusammengetan: zwölf Tänzerinnen und Tänzer in enger
gegenseitiger Abhängigkeit mit zwölf computergesteuerten Automatenklavieren – wer wen spielt,
ist nicht mehr auseinanderzuhalten. Die Kollaboration zwischen Mensch und Maschine steht auch
im Mittelpunkt der Arbeit „Hello Hi There“ der New Yorker Regisseurin Annie Dorsen: Ausgehend
vom berühmten Fernsehgespräch zwischen dem Philosophen Michel Foucault und dem
Linguisten und Aktivisten Noam Chomsky aus den Siebzigerjahren führen zwei extra entwickelte
Chatbots live einen neuen – sozusagen improvisierten – Text auf. Das virtuos Schöne und zugleich
Unheimliche der Arbeiten von Gisèle Vienne konnte man bereits vor zwei Jahren mit „Jerk“ beim
steirischen herbst erleben. In ihrem neuen Werk „This is how you will disappear“ wird der künstlich
übersteigerte Naturalismus der Bühne – echter Wald, echter Nebel, ein Klima, das von der Bühne in
den Zuschauerraum schwappt – zum aktiven Protagonisten. Wie auf romantischen Gemälden
bleibt unklar, ob er die drei menschlichen Protagonisten antreibt oder umgekehrt deren Triebe
widerspiegelt.

Nomadisch wie das Festival ist auch sein Zentrum, das in jedem Jahr einen neuen Ort findet und
sich dort auf Zeit heimisch niederlässt – diesmal im Forum Stadtpark, gestaltet vom jungen
österreichischen Architekturkollektiv feld72. Virtuosen, Meister, Bricoleure sind hier während der
Festivalzeit zahlreich anzutreffen – bei Clubkonzerten, Vorträgen, Filmabenden oder einfach an
der Bar. Auch das „Casino of Tricks“ der geheimagentur bezieht hier für acht Tage sein Quartier.
Im Casino werden Tricks gesammelt, gehandelt und gelehrt. Hier kann weitergetrickst, der Kurs
manipuliert, der Einsatz vervielfacht (oder verloren) werden: am Trick-Roulette, im Trick-Battle, am
Redepult der Trickster oder einfach an der Bar. Bis das Geld alle ist. Am Balkon des
Festivalzentrums werden Susanne Kudielka und Kaspar Wimberley eine Woche lang ein
Feldforschungsprojekt zum Geschehen rund um den Stadtparkbrunnen betreiben.
Der zweite Teil der von Sabine Breitwieser kuratierten herbst-Ausstellung für den öffentlichen
Raum, „Utopie und Monument“, widmet sich heuer der „Virtuosität des Öffentlichen“. Wie setzt
sich Kunst für den öffentlichen Raum den Blicken der anderen in einem gemeinsamen Raum aus,
welche Transfers, welche Interventionen, aber auch welches Verschwinden insistiert darauf, sich
diesen gemeinsamen Raum zu teilen? Zehn Künstlerinnen und Künstler sowie zwei universitäre
Einrichtungen entwickeln Projekte zu dieser Thematik für den Stadtraum von Graz.
„Milk Drop Coronet“ in der Camera Austria versammelt 30 Künstler, die in ebenso vielen
Tischvitrinen jeweils ihre eigene Ausstellung zur „Virtuosität des Dinglichen“ gestalten. Die Arbeit
des schwedischen Künstlers Matts Leiderstam im Grazer Kunstverein lebt davon, in der
kanonischen Ordnung von Museen, Sammlungen, von Werken großer Meister der
Kunstgeschichte permanent produktive Verwirrung zu stiften und dabei Neues zu entdecken,
während das Linzer Kunstkollektiv qujOchÖ die Methoden derer analysiert, die
finanzkapitalistische Zusammenhänge für ihre Zwecke ausnützen und das System raffiniert und
nahezu undurchschaubar hintergehen – die Trickster der internationalen Finanzmärkte. Die
Ausstellung „Verbotene Liebe“ im Kunstverein Medienturm untersucht Fernsehen als reaktiven,
offenen Prozess, als Raum des Ringens um Aufmerksamkeit, der (Selbst-)Darstellung und des
Affektes, der den Diskurs um Identität, Geschlecht und Differenz popularisiert.

Mit Franz West zeigt das Kunsthaus Graz einen der bedeutendsten österreichischen Künstler –
Meister, Virtuose und Bricoleur in einem. Weitere Virtuosinnen und Virtuosen auf jeweils ihre Art
werden mit dem rumänischen Zeichner Dan Perjovschi im Festivalzentrum, mit dem Schweizer
Künstler San Keller im Romantik Parkhotel, mit Concha Jerez in der ESC im LABOR, mit der
russischen Gruppe Kollektive Aktionen bei kultur.at in Gleisdorf und den beiden Isländern
Hrafnkell Sigurðsson und Egill Sæbjörnsson im Pavelhaus zu entdecken sein – und auch im
Annenviertel auf das der Kunstverein <rotor> wieder unseren Blick lenkt. Die Kunsthaus-Schau
„Roboterträume“ schließlich begibt sich einmal mehr an die Ränder menschlicher Vorherrschaft.
Inspiriert durch die Fantasie und Erzählungen von Kindern ist „Beastie“, ein Projekt des britischen
Performance-Duos Lone Twin, entstanden: eine einzigartige Mitmach-Performance für Kinder. Sie
selbst nehmen das Geschehen in die Hand, entwickeln ihre eigenen Geschichten und erkunden im
diesjährigen steirischen herbst gemeinsam mit einem besonderen neuen Freund, dem Monster
„Beastie“, die Umgebung – zum Beispiel ein Shopping Center. In einem solchen wiederum – im
Grazer Einkaufszentrum Citypark – lässt das Theater im Bahnhof einen Konsumenten sterben
(„Tod eines Bankomatkartenbesitzers“). Der argentinische Regisseur Mariano Pensotti widmet
sich den Augenblicken, die wir hätten leben können – oder sollen? Er hat Autoren aus aller Welt
um Einträge in seine „Enzyklopädie des ungelebten Lebens“ gebeten, fügt die sehr
unterschiedlichen Originalbeiträge zu einem spielfreudigen Theaterabend zusammen und
erweckt auf der Bühne des Grazer Schauspielhauses das Ungelebte zum Leben. Die italienischen
Filmemacher Zapruder schließlich sind Meister eines theatralischen, bis ins letzte Detail
handgemachten Kinos. Stets wird die Situation des Vorführraumes mitgedacht, stets ist sowohl
ihre bildende Kunst- als auch ihre Theater-Vergangenheit spürbar.

Auch das musikprotokoll 2010 agiert an den Grenzen musikalischer Virtuosität, sei es im radikal
ausdauernden Selbstversuch Marino Formentis, mit der instrumentalen Meisterschaft eines Arditti
Quartet, Klangforum Wien oder RSO Wien, mit der vorgeblichen Anti-Virtuosität eines Klaus
Lang oder der Technik, die 35 Musikerinnen und Musiker erlernen müssen, um ein gänzlich
neuartiges Instrument zu spielen: Vierzehn Trompeten, vierzehn Posaunen, sieben Tuben:
Constantin Lusers „Molekularorgel“ im Innenhof des Chemieersatzgebäudes der Technischen
Universität Graz ist eine einzigartige, verspielte und dennoch ernstgemeinte interaktive
Röhrenskulptur und zugleich Instrumentarium für ein ganzes Blasorchester. Eingeweiht wird die
„Molekularorgel“ mit einer Auftragskomposition des jungen Komponisten Peter Jakober.

Am letzten Festivalwochenende bringt die ungarische, in Amsterdam lebende Theatermacherin
Edit Kaldor fünf Chinesen auf die Bühne, die alles daran setzen, sich dem Publikum zu öffnen, sich
mitzuteilen. Ihre einzige Sprache aber ist Chinesisch. Dennoch sind sie davon überzeugt, dass das
für den Austausch mit uns kein Hindernis ist. Der junge österreichische Choreograf Philipp
Gehmacher konzentriert sich in seiner neuen Arbeit „in their name“ auf das eigene, live
präsentierte Bewegungsmaterial, auf Präsenz als Modus des Zeigens und Teilens: Wie können die
drei Darsteller ihre Zustände teilen, wie werden diese durchlässig für das Publikum, das nicht
durch eine erhabene Bühne getrennt ist? In klarer Abgrenzung zu den Arbeitsstrukturen der
Stadttheater vergleicht sich die Berliner Performance-Gruppe Showcase Beat Le Mot, lieber mit
einer Band. Sie wagt sich mit gewohnt anarchischer Forschheit an einen bewusst pathetischen
Schöpfungsakt: „C-O-M-M-U-N-E – Der blutige Mai“ ist der dritte Teil einer Quadrologie, die sich
mit gescheiterten Revolutionen beschäftigt. Showcase Beat Le Mot, wie auch Jonathan Burrows
und Matteo Fargion, die mit einer Performance Lecture im Rahmen der herbst-Konferenz zu
sehen sind, oder auch die französischen Performer, Musiker und bildenden Künstler Gaëtan
Bulourde und Olivier Toulemonde mit ihrem Projekt „Not every object used to nail is a hammer“
schaffen es, die Idee des Virtuosen trickreich und ironisch zu widerlegen.

Informationen und Karten:
Telefon +43 316 816070,
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www.steirischerherbst.at

Veranstaltungsort

Karte
Venue:
Festivalzentrum im Stadtpark, Graz   -   Website
Straße:
Stadtpark 1
PLZ:
8010
Stadt:
Graz
Land:
Land: at

Beschreibung

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