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LITERARHISTORISCHE ANMERKUNGEN ZUR HÜTTENSTADT NEUNKIRCHEN.
von Armin Schmitt
Schmelzhütten „im Talgrunde“ Wer aufmerksam durch Neunkirchens Oberstadt läuft kann unweit des Rathauses an einem Wohnhaus in der Irrgartenstraße 16 lesen: „Hier wohne Goethe 1770“. Etwas verwundert wird man sich fragen, was den jungen Goethe in diesen Jahren nach Neunkirchen verschlug, damals noch lange nicht die zweitgrößte Stadt der Region, sondern ein kleines, verschlafenes Nest am Vorabend der Industriellen Revolution. Gerade aber diese neue Zeitalter, das allmählich „heraufdämmernde Maschinenzeitalter“ war es, was Goethe zu einem Besuch in Neunkirchen bewog. Obwohl sein Interesse an den neuen Entwicklungen der Zeit ausgeprägt war, blieb seine Einstellung zum Siegeszug der Maschine allerdings zeitlebens ambivalent. Bekannt ist die prophetische Sentenz aus Wilhelm Meisters Wanderjahren: „Das heraufdämmernde Maschinenwesen quält und ängstig mich, es wälzt sich heran wie ein Gewitter, langsam, langsam; aber es hat seine Richtung genommen, es wird kommen und treffen.“ (1) Goethe sah die Janusköpfigkeit der neuen Zeit, die mit Dampflok, Dampfmaschinen und Fabriken die Welt verändern sollte und auch Neunkirchen ein anderes Gesicht gab. Mit der Skepsis gegenüber der neuen Ära, dem Zeitalter der „Velofizierung“ (2), der allumfassenden Beschleunigung des Lebens, wie er es an anderer Stelle einmal nannte, schlug Goethe ein Leitmotiv an, das im 19. Jahrhundert für die literarische Auseinandersetzung mit der Industrialisierung bestimmend werden sollte. Denn viele Künstler und Intellektuelle hatten von Anfang an ein zwiespältiges Verhältnis zum Fortschritt. Während die einen das Ingenieurwesen und die neuen Möglichkeiten feierten, hielten sich andere im Gefolge der Zivilisationskritik Rousseaus lieber an das Prinzip „Natur“. Mancher schaute nicht nur fasziniert auf die anthropomorphen Automate, die Julien Offray de la Mettrie (1709-1751), Jaquet Droz (1721-1790) oder Wolfgang Baron von Kempelen (1734-1804) auf den Marktplätzen feilboten, sondern erschauderte vor diesem mechanischen „Teufelszeug“, den Vorboten der neuen Ära und den Urahnen der Roboter. Während die einen am „Mythos vom Dampf“ schrieben und der „Göttin Maschine“ huldigten, warnten andere schon vor dem „Pesthauch“ der Fabriken und den sozialen Folgen. Berühmtheit erlangte die poetische Fehde zwischen Justinus Kerner und Gottfried Keller über das Für und Wider der Technik am Beispiel der Eisenbahn. Sah der skeptische Kerner in seinem Gedicht „Unter dem Himmel“ in all den „Dampfwagen“ und dem „Zug der Waaren“ das Ende der Poesie, so dichtete Keller in seiner Replik „Erwiderung auf Justinus Kerner´s Lied“ spöttisch: „Ich grüße dich im Schäferkleide,/Herfahrend, - doch mein Feuerdrach´/trägt mich vorbei, die dunkle Haide/ Und deine Geister schaun uns nach!“(3) Doch solche und ähnliche literarische Scharmüzel interessieren hier nicht weiter. Dennoch gilt festzuhalten, dass von Anfang an der Prozess der Industrialisierung in der Literatur vielfältig widergespiegelt wird. Das hat schließlich auch dazu geführt, dass die Industriestadt Neunkirchen literarische Weihen erhielt. Manches literarische Denkmal verdankt Neunkirchen seiner industriellen Vergangenheit.
Das erste schuf Goethe mit der beinahe idyllischen Beschreibung seiner Neunkircher Sommernacht in „Dichtung und Wahrheit . Er kam damals aus Straßburg, wo er studierte. Zusammen mit zwei „werten Tischgenossen, Engelbach und Weyland“ hatte er zuvor „zu Pferde“ u.a. Zabern, Pfalzburg, Buchsweiler, Lützelstein besucht und schließlich über Saaralben und Saargemünd die Residenzstadt Saarbrücken erreicht, ein „lichter Punkt in einem so felsig waldigen Tal“ (4). Drei Tage lang waren sie Gäste des Präsidenten von Günderode, der unterhalb des Schlosses ein heute nicht mehr vorhandenes repräsentatives Haus bewohnte. Der Saarbrücker Aufenthalt erhält sogar im späteren Rückblick Goethes die Bedeutung eines Schlüsselerlebnisses, das sein geologisches und naturwissenschaftliche Interesse beförderte: „Hier wurde ich nun eigentlich in das Interesse der Berggegenden eingeweiht, und die Lust zu ökonomischen und technischen Betrachtungen, welche mich einen großen Teil meines Lebens beschäftigt haben, zuerst erregt.“ Die kleine Reisegesellschaft startet von Saarbrücken aus zu einer ersten industriekulturellen Tour. (5) Auf dem Weg zum Brennenden Berg in Dudweiler besichtigten sie „komplizierte Maschinenwerke“, eine Sensenschmiede und einen Drahtzug, die Alaunhütte von Herrn Staudt und die Friedrichsthaler Glashütte, wo sie „eine der wichtigsten und wunderbarsten Werktätigkeiten des menschlichen Kunstgeschicks im Vorübergehen kennen lernten“. In den Abendstunden erreichten sie Neunkirchen, wo sich ihnen ein überraschendes Feuerwerk bot: „Denn wie vor einigen Nächten an den Ufern der Saar, leuchtende Wolken Johanniswürmer zwischen Fels und Busch um uns schwebten, so spielten uns nun die funkenwerfenden Essen ihr lustige Feuerwerk entgegen. Wir betraten bei tiefer Nacht die im Talgrunde liegenden Schmelzhütten, und vergnügten uns an dem seltsamen Halbdunkel dieser Bretterhöhlen, die nur durch des glühenden Ofens geringe Öffnung kümmerlich erleuchtet werden. Das Geräusch des Wassers und der von ihm getriebenen Blasbälge, das fürchterliche Sausen und Pfeifen des Windstroms, der, in das geschmolzene Erz wütend, die Ohren betäubt und sie Sinne verwirrt, trieb uns endlich hinweg, um in Neunkirchen einzukehren, das an den Berg hinaufgebaut ist.“(6) Der Besuch der Schmelzhütten, der Bretterhöhlen „im Talgrunde“, wird zu einer ambivalenten Erfahrung. Während die optischen Eindrücke überwältigend zu sein scheinen, wird der Lärm als besonders unangenehm empfunden. Mit welchen Begriffen hätte Goethe 100 Jahre später die akustische Erfahrung der Neunkircher Hütte literarisch verarbeitet? Wie dem auch sei: Das Getöse treibt die Freunde den Hüttenberg hinauf zur Unterkunft in der Nähe des Schlosses. Goethe hält es an diesem Abend nicht lange in der Herberge. Während sich die Begleiter „seeligem Schlaft“ hingeben macht er sich mitten in der Nacht noch einmal auf, um das etwas höhere Jagdschloss zu besichtigen. Das Barockschloss, von Friedrich Joachim Stengel entworfen, sollte einige Jahre später, 1793, ausgeplündert und danach von Neunkircher Bürger als Steinbruch genutzt werden. Als künde sich das kommende Schicksal des Schlosses schon an, findet Goethe es an diesem Abend leer und verlassen vor, nicht einmal einen Kastellan oder Jäger trifft er an. Lange sitzt er in der lauen Sommernacht auf der Terrassentreppe und schaut sinnend in die Landschaft: „Hier, mitten im Gebirg, über einer waldbewachsenen finsteren Erde, die gegen den heiteren Horizont einer Sommernacht nur noch finsterer erschien, das brennende Sterngewölbe über mir, saß ich an der verlassenen Stätte lange mit mir selbst und glaubte niemals eine solche Einsamkeit empfunden zu haben.“ So ganz wohl scheint sich Goethe auf dem einsamen Schlossberg und der „waldbewachsenen finsteren Erde“ um in herum nicht zu fühlen. Erst die Klänge ferner Waldhörner – ein romantisches Sehnsuchtmotiv klingt hier an - heitern sein Gemüt wieder auf: „Da erwachte in mir das Bild eines holden Wesens, das vor den bunten Gestalten dieser Reisetage in den Hintergrund gewichen war, es enthüllte sich immer mehr und mehr ...“ (7). Die Sehnsucht nach Frederike Brion, die Sesenheimer Geliebte seiner Straßburger Tage, ergriff den einsamen Goethe in Neunkirchen. Er eilt zurück in die Herberge, schon am nächsten Morgen treten die Freunde die Rückkehr nach Straßburg an. Die Reise führt sie über Zweibrücken nach Bitche, von dort durchs Bärental nach Niederbronn, schließlich nach Hagenau. Einen Gefährten lässt er bei einer „lächerlichen Steinkohlengruben-Visitation, die bei Dudweiler etwas ernsthafter würde gewesen sein“ (8) zurück und reitet schleunigst dem „geliebten Sesenheim“ entgegen.
„Von Bergen und anmutigen Thälern“ Einige Jahre später betrat Freiherr von Knigge über die Terrasse, auf der Goethe der fernen Geliebten gedachte, das Neunkircher Jagdschloss der Saarbrücker Fürsten. Knigge, Autor des berühmten Buches „Über den Umgang mit Menschen“ und Mitbegründer des Illuminatenordens, hatte bessere Kontakte und weilte kurz im Schloss auf Einladung des Saarbrücker Hofes. Er hatte sich während seinen Wanderungen zwischen 1783 und 1787 auch in Heidelberg aufgehalten und war von dort zu einem Abstecher nach Saarbrücken aufgebrochen. Hier wurde er wohlwollend von Fürst Ludwig, einem begeisterten Freimaurer, empfangen. Knigge hat später seine Reiseerinnerungen in Form von fiktiven Briefen festgehalten, jedoch auf ein späteres Datum verlegt, nämlich in den Mai des Jahres 1792. Er beschreibt in seinen Reiseimpressionen die beiden Städte St. Johann und Saarbrücken. Ausführlich widmet er sich dem Saarbrücker Schloss und dem „geschmackvoll eingerichteten Schlossgarten“ und dem regierenden Fürsten Ludwig. In einem zweiten Brief schildert er seine kleinen Wanderungen in der „hiesigen Gegend herum, die ...durch die schöne Abwechslung von Bergen und anmutigen Thälern reizend ist.“ (9) Vor allem die Schlösser haben es ihm angetan: Er besucht das Lustschloss auf dem Ludwigsberg, das Lustschloss Mon plaisir auf dem Halberg und kommt schließlich auf der Weiterreise nach Zweibrücken auch nach Neunkirchen. Sein Interesse gilt allerdings nicht den Eisenhütten, sondern dem fürstlichen Lebensstil und dem formidablen Jagschloss des Fürsten, was er ausführlich beschreibt: „ Das Schloss liegt hoch, von Waldung umgeben, die zu einem Parforce-Jagd-Park eingezäunt ist, am Abhange des Berges ... Die hintere Seite des Schlosses hat die Aussicht auf Terrassen, die, den Berg hinab, fast bis zu den beträchtlichen Eisenhütten fortgeführt sind, welche im Thale liegen. Das massive Gebäude ist in der Form eines halben Mondes gebauet, hat auf den beyden Flügeln nur ein Erdgeschoss, dahingegen in der Mitte noch eine Etage aufgesetzt ist. Jeder Gegenstand, den man hier erblickt, hat Bezug auf die Jagd, welche der Fürst vormals, mehr wie jetzt, außerordentlich liebte.“ (10) Schwarz- und Rotwild, Reiher und gar Wölfe, die sich aus den Vogesen in die Neunkircher Wälder verirrten, wurden hier zur Strecke gebracht. Die Außenfassaden des Schlosses waren mit den Geweihen der gejagten Hirsche dekoriert. Nur noch schwerlich kann man sich heute vorstellen, dass sich hier die Jagdgründe der Saarbrücker Aristokratie befand: Vom Schloss sind keine Spuren mehr erkennbar, der Wald ist gelichtet und die Landschaft ist vielfältig im Zuge der Industrialisierung durch Halden, Eisenbahnschienen und Straßen überformt worden. Das idyllische Dorf, das Goethe und Knigge noch vorfanden, hat sich zur Stadt entwickelt. Damals fanden hier, so berichtet Knigge, regelmäßig Parforce-Jagden, teutsche Jagden und Reiher-Beizen statt. Die Jagdleidenschaft des Fürsten ging offenbar soweit, dass zu jeder dieser Jagden spezielle Uniformen getragen wurden. Auch die Inneneinrichtung des Schlosses beeindruckten Knigge, vor allem die Räume, die dem Fürsten vorbehalten waren: „Mir gefiel unter anderen die Einrichtung eines Schlafzimmer, in welchem, dem Fenster gegenüber, ein erhöhter Alcoven angebracht ist. Die Rückwand dieses Alcovens besteht gänzlich aus einem großen Spiegel. Vor diesem steht dann das Bette, so, daß der Fürst, wenn er in demselben liegt, die durch das Fenster in dem Spiegel sich darstellende Gegend wie ein Landschafts-Gemälde zur Seite erblickt.“ (10)
„Pusterich, ein Götzenbild,/Gräßlich anzuschauen“: Ein Goethekritiker in Wiebelskirchen. Selbst wenn keine Revolution gegeben und das Schloss noch gestanden hätte, Johann Friedrich Pustkuchen (1793 – 1834) wäre kaum in die Verlegenheit gekommen, das gespiegelte „Landschafts-Gemälde“ zu betrachten und fürstliche Gastfreundschaft zu genießen. Seine letzten Jahren waren von Scheitern, Krankheit und bitterer Armut überschattet. Am 2. Januar 1834 wurde auf dem Wiebelskircher Friedhof im Alter von nur 41 Jahren beerdigt (11). Sein Grab ist, nachdem es in Vergessenheit geraten war, auf dem alten Teil des Friedhofs, der heute als Park zugänglich ist, erhalten. Pustkuchen hatte von Juli 1831 bis zu seinem frühen Tod die dortige Pfarrstelle inne. Sie war nicht nur miserabel bezahlt, Pustkuchen war völlig mittellos in Wiebelskirchen eingetroffen, wo ihm übrigens der berufliche Neustart nicht leicht gemacht wurde. Schon wenige Tage nach der Antrittspredigt wandte er sich mit einer Petition an das preußische Ministerium der „Geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten“ und beklagte sich darüber, dass ihm weder Gartenland zur Verfügung stehe, noch das Pfarrhaus möbliert sei. Vorübergehend müsse er sich in einer vom Dorf abseits liegenden Mühle einmieten. Neben seinen Aufgaben als Pfarrer und Arzt war er aus einer konservativ-pietistischen Geisteshaltung heraus wie schon zuvor publizistisch aktiv: Neben einer neuen Ordnung für den Konfirmantenunterricht und Presbyterialsitzungen erschienen während der Wiebelskircher Jahre mehrere Schriften und Erbauungsbücher, u.a. „Der Beruf des evangelischen Pfarrers nach seinem Zweck und Wesen“ (1831), „Glaubens- und Sittenlehre in wahrhaften Beispielen, ein Lesebuch für Schule und Haus“ (1833), „Viola – Taschenbuch für 1833 den Freunden des Schönen und Guten gewidmet“ (1832), „Kirche, Schule und Haus“ (1832). Zu einem publizistischen Durchbruch sollte es allerdings nicht mehr reichen. Weder von den Einkünften aus der Pfarrstelle noch aus den Erlösen der Veröffentlichungen ließ sich ein menschenwürdiges Leben fristen. Selbst als er nach seinen Verdiensten bei der Bekämpfung der Choleraepidemie 1832 die Erlaubnis erhielt als Arzt tätig zu werden, scheint sich seine prekäre finanzielle Lage kaum verbessert zu haben. Pustkuchen war damals schon von der Krankheit gezeichnet. Mitte 1833 waren Anzeichen einer Brustwassersucht erkennbar, einer typischen Mangelerkrankung, an der er einige Monate später starb. Er „hinterließ sieben Kinder, davon das älteste 13 Jahre, und nicht das geringste Vermögen, so dass die Witwe mit dieser großen Familie durch das Ableben ihres Ehegatten in die traurigste Lage versetzt ist“, hieß es in einem Bericht des Landrates von Ottweiler an die Behörden. (12)
Pustkuchen hatte die Pfarrstelle in Wiebelskirchen in einer existentiellen Krise angenommen. Hochfliegende literarische Pläne und eine wissenschaftliche Laufbahn – 1817 promovierte er in Halle zum Doktor der Philosophie – hatten sich zerschlagen, eine Pfarrstelle in Lemgo hatte er gekündigt, die Etablierung einer von ihm herausgegebenen Wochenzeitung war gescheitert. Die preußische Regierung, bei der der streitbare und ehrgeizige Mann aufgrund polemischer Schriften in Ungnade gefallen war, verwies Pustkuchen in einem Art „Gnadenakt“ auf die unattraktive Stelle eines Militärprediger im Regierungsbezirk Trier. Allerdings war diese Stelle schon besetzt. Pustkuchen hatte vermutlich erst in Trier von der Vakanz der Wiebelskircher Pfarrstelle erfahren und sich sogleich erfolgreich beworben.
Als Pustkuchen 1830 nach Wiebelskirchen kam, war sein Namen in literarischen Kreisen in ganz Deutschland ein Begriff, weniger durch seine schriftstellerische Qualität als vielmehr durch eine literarische Attacke auf Goethe. Der Dichterfürst hatte Pustkuchen seine Unterstützung bei der Veröffentlichung eines Gedichtsbandes versagt, was umso schwerer wog, weil Pustkuchen in früheren Jahren ein Verehrer der Weimarer Klassiker war. Aus dieser Kränkung, aber auch aus ästhetischen und weltanschaulichen Erwägungen heraus polemisierte er gegen Goethe. 1821 erschien im Gottfried Basse Verlag in Quedlinburg eine Publikation mit dem Titel „Wilhelm Meisters Wanderjahren“, einige Monate vor Goethes gleichnamigen Roman, dessen Fertigstellung die literarische Öffentlichkeit gespannt erwartete. Das Werk erschien zunächst anonym, doch wurde die Autorenschaft Pustkuchens einige Monate später aufgedeckt. Er setzte sich mit seiner Variante der „Wanderjahre“ an die Spitze einer Oppositionsbewegung gegen Goethe. Der Roman erhält seine literarhistorische Bedeutung vor allem „als Zeugnis einer in konservativ-pietistischen Kreisen fest eingewurzelten Antipathie gegen Goethe.“ (13) Die Veröffentlichung der sogenannten „Quedlinburger Fälschungen“ führte zu einer jahrelangen heftig geführten Debatte zwischen Goethe-Verehrern und Goethe-Feinden, an der sich unter anderem Börne und Heine, Franz Grillparzer und Jakob Grimm, Mörike, Achim von Arnim und Ludwig Tieck, Baron de la Motte Fouqué und sogar Karl Marx beteiligten. Goethe selbst schlug nicht eben zimperlich zurück: „ ... Pusterich, ein Götzenbild,/Grässlich anzuschauen,/ Pustet über klar Gefild/Wust, Gestank und Grauen ...“ (14). Pustkuchen, einige Jahre unglücklicher und streitbarer Pfarrer in Wiebelskirchen, hat so einen nicht unerheblichen Beitrag zur Literaturgeschichte der Goethezeit geleistet.
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